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At-Zeichen

At-Zeichen

@
Das Schriftzeichen @ – das At-Zeichen (von engl. at sign) bzw. Klammeraffe – wird auch als Affenschwanz, Affenohr oder Affenschaukel bezeichnet. Die ursprüngliche Bezeichnung lautet „Astat“. Es ist grundlegender Bestandteil von E-Mail-Adressen, innerhalb deren es Benutzername und Servername voneinander trennt. In Deutschlands populären Medien – oder solchen mit besonderem Modernitätsanspruch – wird es häufig als Symbol für das Internet genutzt.

Geschichte

Ursprünglich bedeutet @ im englischen Geschäftsverkehr dasselbe wie „à“ oder „je“ im deutschen (4 lemons @ 20 cents ↔ 4 Zitronen à 20 Cent). Da es im kaufmännischen Bereich in anglophonen Ländern häufig verwendet wurde, gelangte es sehr bald auf Schreibmaschinen und so letztendlich auch auf deutsche Computertastaturen. Die beiden Schreibweisen à und @ nahmen beide ihren Ursprung im Französischen. Im Englischen wird durchgängig die Aussprache at (wie in „I’m at home“) benutzt und das Zeichen heißt commercial at. Das @ wird im Deutschen teilweise auch als à oder sogar als shift-alpha ausgesprochen. Der Ursprung des Symbols liegt nach zwei Theorien im Mittelalter: Entweder als handschriftliche Verschmelzung (Ligatur) der Buchstaben a und d des lateinischen Wortes ad (dt. zu oder zu etwas hin) oder aber nach einem Brief eines römischen Kaufmannes über Schiffsladungen als Abkürzung für das Wort Amphore. Als bei der Erfindung der E-Mail im ARPANET (ca. 1971) nach einem noch ungenutzten Zeichen im Schriftsatz amerikanischer Fernschreiber (ASCII) gesucht wurde, das Benutzer- und Rechnername eindeutig trennen sollte, stieß Ray Tomlinson auf das @ und benutzte es als at-Symbol in E-Mail-Adressen. Das Zeichen passte so auch von der Benennung her, bezeichnete der Benutzername doch einen einzelnen Benutzer und der Rechnername ursprünglich meist den Großrechner des Betriebs oder Instituts, wo er arbeitete. In älteren Programmiersprachen (z. B. BASIC, dBase) wurde @ manchmal auch als Operator für Positionsangaben verwendet, der BASIC-Befehl PRINT @ 12,10,"HALLO" stellt zum Beispiel das Wort "HALLO" in der zehnten Zeile und ab der zwölften Spalte des Bildschirms dar. Die spezielle Assoziation mit dem Internet in Deutschland und anderen nicht englischsprachigen Ländern ergibt sich schlicht daraus, dass das Zeichen hierzulande vor dem Internet-Boom höchstens Programmierern und Heimcomputer-Nutzern bekannt war, da es im deutschen Schriftverkehr traditionell keine Rolle spielte. Im englischen Sprachraum dagegen war das Zeichen bereits vorher lange in Gebrauch, daher existiert eine derartige Assoziation dort nicht. Keine Einigkeit besteht derzeit (2004) darüber, in wie weit @ in Firmennamen verwendet werden darf. Verschiedene Landesgerichte sind sich nicht darüber einig, ob ein für den Eintrag in Handelsregister zuständiges Amtsgericht den Eintrag verweigern darf. Hiervon betroffen sind auch andere nicht deutsche Zeichen wie z. B. ® und . Seit Anfang 2004 ist das At-Zeichen auch offizieller Bestandteil des Morsecodes.

Darstellung in Computersystemen

Im internationalen Zeichenkodierungssystem Unicode liegt @ auf Position:
- U+0040 ›Commercial at‹ (Klammeraffe). Im älteren ASCII-Zeichensatz liegt das Zeichen auf der gleichen Position. Im Internet-Dokumentenformat HTML wird es folgendermaßen kodiert:
- @ (hexadezimal) und
- @ (dezimal).

Tastatur

Auf der deutschen Tastatur liegt der Klammeraffe als dritte Belegung auf der Q-Taste und kann mit Hilfe der Alt Gr-Taste eingegeben werden. Oft kann man auch statt Alt Gr die beiden Tasten Strg und Alt verwenden. Auf der deutschschweizer Tastatur liegt er als dritte Belegung auf der Q-Taste. Auf der britischen Tastatur liegt der Klammeraffe über dem Apostroph und auf der amerikanischen Tastatur über der Ziffer zwei. Hier wird das Zeichen mit Hilfe der Umschalttaste erreicht, also ohne Alt Gr. Auf APPLE-Tastaturen liegt der Klammeraffe als dritte Belegung seit MacOS 9.1 auf der L-Taste und kann mit Hilfe der Alt-Taste eingegeben werden. Davor lag das @-Zeichen auf [Alt] + [Shift] + [1].

Ersetzung

Kann das Zeichen nicht dargestellt werden, weil es in der verwendeten Schriftart oder dem Zeichensatz fehlt, so kann es eventuell durch Hilfswörter wie ›at‹ (englisch) oder auch ›bei‹, ›per‹, ›pro‹, ›für‹ oder ›je‹ ersetzt werden. Da allerdings praktisch alle modernen Computersysteme und -schriften auf Unicode oder dem älteren ASCII-Standard basieren, kann das Zeichen problemlos weltweit dargestellt, verarbeitet, übertragen und archiviert werden. Eine Ersetzung aus technischen Gründen ist deshalb kaum nötig. Auch wenn die verwendete Tastatur das Zeichen nicht aufweist, kann es praktisch immer über eine entsprechende Funktion des Betriebssystems oder des jeweiligen Texteditors eingefügt werden. In neuerer Zeit wird das Zeichen im Internet auch oft ersetzt, um E-Mail-Adressen vor Spam-Harvestern zu verschleiern.

Weblinks


- [http://fsinfo.cs.uni-sb.de/~abe/Bloedsinn/Teppich.html#@ Teppich & Co., eine Liste von mehr oder weniger gebräuchlichen Namen für den Klammeraffen und andere Sonderzeichen]
- [http://www.worldwidewords.org/articles/whereat.htm Englischsprachiger Artikel über Herkunft des Symbols]
- [http://www.tzi.de/~jeronimo/gdm/leben.htm Medial präsentierte Geschichte des @-Zeichens]
- http://www.madeasy.de/2/klammeraffe.htm A-at ja:アットマーク

Schriftzeichen

Ein Schriftzeichen oder Graphem ist ein Symbol, das entweder einen Laut (Phonem) wie bei Alphabeten (Buchstabenschriften) oder eine Silbe wie bei Silbenschriften repräsentiert. Dann ist es ein Phonogramm und eine phonologische Schrift. Beispiele: Das lateinische oder griechische Alphabet und die japanische Katakana. Oder das Schriftzeichen ist ein Logogramm in einer ideographischen Schrift und stellt ein ganzes Wort bzw. eine Wortgruppe dar, also eine bedeutungstragende Einheit, ein Morphem. Beispiele: Die japanischen Kanji. Bei den Hieroglyphen (Ägypten) wiederum haben einzelne Zeichen nicht nur die Bedeutung als Laut, sondern teilweise auch als Determinativ. Darunter versteht man eine Bedeutungsgruppe wie z.B. die wellenförmige Schlangenlinie (Wasserwellen), die allgemein für Flüssigkeiten steht. Das Determinativ ist hierbei gewöhnlich das letzte Zeichen des Wortes. Die Schriftzeichen stehen in einer durch Konventionen festgelegten Beziehung zu der Sprache, die sie repräsentieren.

Graphem

Ein Graphem ist die kleinste funktionale Einheit des Schreibsystems (Orthographie, Graphematik/Graphemik) einer Schriftsprache. Ein Graphem hat charakterististische Merkmale, die es von anderen Graphemen unterscheiden (graphematische Merkmale, z. B. die spitze Form des v, die es von der runden Form des u unterscheidet, oder auch die diakritischen Zeichen, die z. B. ein ö vom o unterscheiden). Ein Graphem wird in der Form unterschiedlich aussehender Buchstaben (Graphen bzw. Glyphen) realisiert, je nach Schriftart (Font, Schreib-/Druckschrift usw.) bzw. der Position im Wort oder im Satz. Man spricht dabei von Allographen bzw. Varianten eines Graphems. Unterschiedliche Buchstabenformen sind dann Allographen ein und desselben Graphems, wenn sie austauschbar sind, ohne die Bedeutung eines Wortes zu verändern. und a sind z. B. Allographe des Graphems a. Eine wichtige Grundvariation stellt die Unterscheidung in Groß- und Kleinbuchstaben dar: A und a sind ebenfalls Allographe des Graphems a, deren Verteilung bestimmten Regeln folgt.

Beispiele für Graphem-Phonem-Korrespondenzen im Deutschen

Dem Graphem h entspricht üblicherweise das Phonem /h/. Es bezieht sich aber auf kein Phonem, wenn es bestimmten anderen Graphemen folgt: ch, ph, th, uh usw. (In diesen Fällen modifiziert es entweder nur die Aussprache des vorangehenden Graphems: ch, ph, oder es ist einfach stumm: th, oder es macht die Aussprache des vorangehenden Graphems eindeutig: uh.) Man nennt ch, ph, th, uh, usw. Digraphen oder Digrapheme, da zwei aufeinanderfolgende Grapheme mit einem Phonem korrespondieren.
Umgekehrt korrespondiert z. B. das Graphem z mit einer Phonemfolge (/ts/) (vgl. auch Konsonantencluster). Ein Graphem kann mehreren Phonemen entsprechen, z. B. b den Phonemen /b/ (Erbe) und /p/ (Erbse), oder v den Phonemen /f/ (Vater) und /v/ (Vulkan). Umgekehrt können einem Phonem unterschiedliche Grapheme entsprechen, z. B. dem stimmlosen /s/ (ß-Laut) die Grapheme ß (Fuß) und s (Erbse), oder dem stimmlosen /f/ die Grapheme f, v und die Graphemkombination (vgl. auch Konsonantencluster) ph (-graph- neben -graf-).

Logogramm

Ein Logogramm (von griechisch lógos - Wort, gráphein - schreiben) ist ein einzelnes schriftliches Zeichen, das ein Wort bzw. eine bedeutungstragende Worteinheit darstellt und dem ein oder mehrere definierte Lautkomplexe (phonemische Komplexe) zugeordnet sind. Ein Logogramm kann ein Piktogramm (eine grafische Vereinfachung, ein Bildsymbol) oder ein Ideogramm (eine Zusammensetzung von Bildsymbolen bzw. von Symbolen ohne Bildcharakter) sein oder eine Zusammensetzung aus Pikto- oder Ideogramm mit einem oder mehreren Phonogrammen. Dafür ist die japanische Schrift ein Beispiel, wo ein Logogramm aus einem Kanji und einem oder einigen Zeichen der Silbenschrift bestehen kann. Die meisten chinesischen Schriftzeichen werden als Logogramme eingestuft. Beispiele für moderne westliche Logogramme sind die Zahlen oder auch das Kaufmanns-Und & oder das @-Zeichen, das für englisch "at" verwendet wird. Verglichen mit alphabetischen Systemen haben Logogramme den Nachteil, dass man von ihnen sehr viele benötigt, um die einzelnen Wörter darzustellen. Ein Vorteil ist, dass man die Sprache des Verfassers nicht zu kennen braucht, um sie zu verstehen - jeder versteht, was "1" bedeutet, egal ob man nun eins, one, uno oder ichi sagt; ebenso können sich Chinesen, die unterschiedliche chinesische Dialekte sprechen, manchmal sogar Chinesen und Koreaner oder Japaner miteinander schriftlich verständigen, obwohl sie nicht die gleiche Sprache sprechen.

Beispiele

Folgende Schriften sind größtenteils logografisch
- Alaska-Schrift
- Dongba (Naxi)
- Hieroglyphen (altes Ägypten)
- Hanzi (Chinesisch)
  - Kanji (Japanisch)
  - Hanja (Koreanisch)
- Jurchen
- Kitan
- Maya
- Tangut Logografisch sind zahlreiche symbolische Fachsprachen aufgebaut:
- Symbolik der Mathematik einschließlich Zahlensystem mit arabischen Ziffern
- chemische Formelsprache
- physikalische Formelsprache

Ideogramm

In einer ideographischen Schrift (auch: ideografisch) stellt jedes Symbol (Ideogramm, von griechisch idéaGestalt, Form, Erscheinung, gráphein – schreiben) eine bestimmte Bedeutung dar. Vereinfacht kann man sagen, dass ein Zeichen einem Wort entspricht. Reine ideographische Schriften sind sehr selten; sie enthalten meistens auch andere Elemente. Die ägyptische und sumerische Schrift sind eine Mischung aus piktographischen, ideographischen und sprachlichen Elementen. Das trifft auch zu für die chinesische Schrift, die aus einer ideographischen Schrift entstand, sich jedoch bald zu einer logographischen Schrift entwickelte. Ein Ideogramm ist ein Schriftzeichen, das einen ganzen Begriff darstellt und dabei symbolische Zeichen für abstrakte Begriffe verwendet oder sich aus zwei oder mehreren Piktogrammen zusammensetzt. „Ideogramm“ ist nicht zu verwechseln mit Idiogramm (graphische Darstellung der Chromosomen).

Beispiele für Ideogramme aus der chinesischen bzw. japanischen Schrift:

木 „Baum“ (Piktogramm) und 人 „Mensch“ (Piktogramm) ist 休 „ruhen“ (Ideogramm)
木 „Baum“ (Piktogramm); 林 „Wald“ (Ideogramm); 森 „großer Wald“ (Ideogramm)
上 „über“ (Ideogramm)
下 „unter“ (Ideogramm)

siehe auch


- Buchstabe
- :Kategorie:Schriftzeichen
- Semiotik
- Syntaktik
- Schrift

Weblink


- [http://www.wiebel.de/arbeiten.php Das autonome Graphem] Zur GP-Korrespondenz Kategorie:Symbol Kategorie:Sprache Kategorie:Linguistik ja:表意文字 ko:표의 문자

E-Mail

E-Mail (v. engl. electronic mail, „elektronische(r) Post/Brief“), kurzw. auch Mail, bezeichnet eine auf elektronischem Weg in Computernetzwerken übertragene, briefartige Nachricht. Eindeutschungen wie E-Brief oder E-Post, scherzhaft auch "Strompost", treffen bislang auf wenig Akzeptanz. Unklar ist schließlich das zugeordnete grammatikalische Geschlecht. Während sich in Österreich und Deutschland vorwiegend die feminine Form durchgesetzt hat (die Mail), dominiert in der Schweiz das Neutrum (das Mail). E-Mail wird – noch vor dem World Wide Web – als wichtigster und meist genutzter Dienst des Internets angesehen (Stand 2002 [http://www.planetlink.com/articles/email.html]). Über die Hälfte des weltweiten E-Mail-Aufkommens im Internet ist allerdings seit ca. 2002 auf Spam zurückzuführen.

Geschichte

Vor dem Aufkommen von E-Mail wurden Nachrichten als Brief oder Telegramm, später als Fernschreiben und Telefax übermittelt. Ende der 1960er Jahre begann dann der Siegeszug der E-Mail – sie war eine der ersten Anwendungen, welche die Möglichkeiten des ARPANETs nutzte. Die Einführung von E-Mail wurde nicht gezielt geplant, sondern eroberte das Netzwerk auf Grund des Benutzerverhaltens. Dies überraschte die ARPANET-Initiatoren, denn noch 1967 hatte Lawrence Roberts, der spätere Leiter von IPTO gesagt, die Möglichkeit des Austausches von Botschaften unter den Netzwerkteilnehmern sei „not an important motivation for a network of scientific computers“ (dt.: „kein wichtiger Beweggrund, ein Netzwerk wissenschaftlicher Rechner aufzubauen“). Bereits 1971 überstieg das Gesamtvolumen des elektronischen Mailverkehrs das Datenvolumen, das über Telnet und FTP abgewickelt wurde. Als Erfinder der elektronischen Post gilt der Computertechniker Ray Tomlinson. Erste Tests erfolgten 1971, und gegen Ende (November od. Dezember) 1971 hatten die von ihm entwickelten Programme (SNDMSG/READMAIL) Premiere. Der damals beim privaten Forschungsunternehmen BBN (Bolt, Beranek and Newman) in Cambridge, Massachusetts mit dem Aufbau des ARPAnet beschäftigte Erfinder kann aber nach eigenen Angaben nicht mehr genau sagen, was der Inhalt der ersten Botschaft war. Die erste Buchstabenreihe einer amerikanischen Computertastatur „QWERTYUIOP“ sei aber sehr wahrscheinlich. Parallel zum Internet entwickelten sich Beginn der 1980er Jahre in den meisten Netzwerken Systeme, mit denen sich Nachrichten übertragen ließen. Dazu gehörten unter anderem Mailbox-Systeme, X.25, Novell und BTX. Diese Systeme wurden Mitte der 1990er durch die Verbreitung des Internet stark verdrängt. In Deutschland wurden am 2. August 1984 die angeblich ersten Internet-E-Mails empfangen und gesendet: Der Karlsruher Internetpionier Werner Zorn beantwortete den offiziellen Willkommensgruß des US-amerikanischen CSNet, einer herstellerübergreifenden Plattform zur elektronischen Kommunikation von Wissenschaftlern. Heute (2005) werden E-Mails vorwiegend per SMTP über das Internet und in lokalen Netzen übertragen, lediglich X.400, ein offener, weltweiter Standard, wird daneben noch ernsthaft benutzt. Die erste große E-Mail-Diskussionsgruppe, die im ARPANET entstand, war die SF-LOVERS-Liste, in der sich eine Reihe von ARPA-Forschern an öffentlichen Diskussionen über Science Fiction beteiligte (Rheingold, 1994). SF-LOVERS tauchte in den späten 70er Jahren im ARPANET auf. Zunächst wurde versucht, dagegen einzuschreiten, weil derartige Aktivitäten selbst bei liberalster Auslegung mit Forschung wenig zu tun hatten. Für einige Monate wurde die Liste deshalb gesperrt. Schließlich wurden die Verantwortlichen der ARPA aber mit dem Argument überzeugt, dass SF-LOVERS ein wichtiges Pilotprojekt zur Erforschung der Verwaltung und des Betriebs großer Mailinglisten war (Hauben, 1993). Die Systemingenieure mussten das System wiederholt umbauen, damit es das explosionsartig ansteigende Nachrichtenaufkommen bewältigen konnte.

Technische Details

Aufbau einer E-Mail

Wie beschrieben, bestehen E-Mails nur aus Textzeichen. Um Computern die Weiterleitung bzw. die Darstellung zu erleichtern, sind E-Mails intern in zwei Teile geteilt. Zum einen der „Header“, mit dem, für Weiterleitung bzw. Zustellung wesentlichen Teil mit Sender- und Empfängerzeilen, zum anderen der, im englischen message body genannte Teil mit dem eigentlichen Inhalt der Nachricht.

Header - der Kopf der E-Mail

:Hauptartikel: Header (E-Mail) Die Header genannten Kopfzeilen einer E-Mail geben Auskunft über den Weg, den eine E-Mail genommen hat und bieten Hinweise auf Absender, Empfänger, Datum der Erstellung und mehr.

Body - der Inhalt der E-Mail

Der Body einer E-Mail ist durch eine Leerzeile vom Header getrennt und enthält die zu übertragenden Informationen in einem oder mehreren Teilen. Eine E-Mail darf gemäß RFC 2822 Abschnitt 2.3 nur Zeichen des 7-Bit ASCII-Zeichensatzes enthalten. Sollen andere Zeichen oder Daten wie zum Beispiel Bilder übertragen werden, müssen diese zuvor passend kodiert werden. Geregelt wird das durch RFC 2045 ff (siehe auch MIME und base64). Aktuelle Mail-Clients kodieren Text und Dateianhänge (vgl. unten) bei Bedarf automatisch. Neben dem klassischen Klartext werden teilweise auch Nachrichten auch als HTML-Datei versandt – teils ungewollt und unbewußt durch die Voreinstellung des Mail-Clients, teils bewußt, um Textauszeichnungen verwenden zu können. Viele Empfänger lehnen HTML-Mail allerdings ab, da diese bei Verwendung von Javascript oder Nutzung anderer Ressourcen ein Sicherheitsrisiko darstellen. Zudem ist die Interpretation des HTML-Codes stark von der Benutzerumgebung des Empfängers abhängig, wodurch optische Effekte oder Formatierungen häufig nicht so dargestellt werden, wie dies vom Absender gedacht war.

Größe

Die maximale Größe von E-Mails ist nicht prinzipiell begrenzt. In der Realität zeigen sich allerdings Grenzen durch technische oder administrative Beschränkungen der Systeme, welche die E-Mail übertragen oder empfangen. Stand 2005 treten bei E-Mails ab ca. 20 MB Größe regelmäßig Probleme auf. In solchen Fällen erhält der Absender eine Fehlermeldung vom Mailer-Daemon.

Elemente einer E-Mail

Die E-Mail-Adresse

:Hauptartikel: E-Mail-Adresse Eine E-Mailadresse besteht immer aus zwei Teilen: Zum einen der Local-part genannte Teil vor dem @, zum anderen der domain-part hinter dem @. Es ergibt sich also lokaler_teil@domainame, zum Beispiel max.mustermann@wikipedia.org. Der hintere Teil (Domain) fungiert dabei wie Stadt und Postleitzahl: Durch ihn wissen die Rechner, die die E-mail weiterleiten, an welchen Rechner diese zugestellt werden soll. Der lokale Teil hingegen ist quasi das Postfach, in welches die E-mail „eingeworfen“ werden soll. Beide Teile werden durch das At-Zeichen (@) (Aussprache engl. „at“ oder umgangssprachlich „Klammeraffe“ oder „Affenschwanz“) getrennt.

Dateianhänge

Ein Dateianhang (engl.: Attachment ) ist eine Datei, welche im Body (vgl. oben) einer E-Mail verschickt wird. Dies wird durch das MIME-Protokoll ermöglicht, welches die Unterteilung des Bodys und die Kodierung der Datei regelt. Dateianhängen können Computerviren beinhalten, daher sollte sorgsam mit ihnen umgegangen werden. Die Größe eines Attachments ist zwar prinzipiell nicht begrenzt, wird aber in der Realität durch Größenbeschränkungen für die gesamte E-Mail limitiert.

Emoticons Abkürzungen

Im Inhalt von E-Mails finden sich häufig Abkürzungen und Emoticons.

Versand

Verwendete Protokolle


- SMTP ist ein Protokoll zum Mailversand und -Transport.
- POP3 dient zum Abruf von Mails von einem Mailserver.
- IMAP dient dazu, auf Mailboxen zuzugreifen, die auf Mailservern liegen.
- UUCP ist ein Protokoll, mit dem E-Mails gesammelt werden und beim nächsten Verbindungsaufbau verschickt werden. Es hat heute stark an Bedeutung verloren.

Überwachung

:Hauptartikel: E-Mail-Überwachung Inzwischen wird in vielen Ländern der E-Mail-Verkehr vom Staat überwacht. In Deutschland sind seit dem Jahr 2005 Internet Service Provider verpflichtet, entsprechende Hard- und Software vorzuhalten, um einer Überwachungsanordnung sofort Folge leisten zu können, ohne für die daraus erwachsenden Kosten einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Erste Internet Service Provider haben mit damit begründeten Preiserhöhungen begonnen.

Benutzerschnittstelle

Zur Nutzung von E-Mail benötigt man eine Möglichkeit, E-Mails zu erzeugen und zu empfangen. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten, die im folgenden aufgeführt sind.

E-Mail-Programm

:Hauptartikel: E-Mail-Programm Zur Nutzung von E-Mail kann ein E-Mail-Programm, auch E-Mail-Client oder Mail-User-Agent (MUA) genannt, verwendet werden. Ein solches Programm ist meist auf dem Rechner des Benutzers installiert und kommuniziert mit einem oder mehreren Mail-Servern eines Mail-Providers.

Webmail

:Hauptartikel: Webmail Als alternatives Verfahren zur Verwendung eines E-Mail-Programms hat sich auch die Nutzung von Webmail etabliert. Webmail ermöglicht die Nutzung von E-Mail mithilfe eines Web-Browsers über ein Web-Interface. Bei der Benutzung einer Webmail-Oberfläche werden die E-Mails nicht auf dem eigenen PC bearbeitet, sondern auf einem Web-Server eines Mail-Providers.

Vor- und Nachteile

Das E-Mail-System besitzt einige Vor- und Nachteile, die im folgenden aufgeführt sind.

Authentizität und Schutz des Inhaltes

Die meisten E-Mail-Nachrichten werden im Klartext verschickt, können also prinzipiell auf jedem Rechner, den die Nachricht auf ihrem Weg vom Absender zum Empfänger passiert, gelesen werden. Zieht man eine Analogie zur Briefpost, ist eine E-Mail daher eher mit einer Postkarte vergleichbar als mit einem durch einen Umschlag vor neugierigen Blicken geschützten Brief. Ebenfalls ähnlich wie bei einem Brief oder einer Postkarte und genauso einfach, lassen sich E-Mails mit einer falschen Absenderadresse verschicken, was zum Beispiel bei Spam (UCE/UBE) oft zu beobachten ist. Empfangsadresse, CC- und BCC-Adressen lassen sich gleichermassen fälschen (address spoofing). Die Lösung für diese beide Probleme ist Verschlüsselung und Absenderauthentifizierung. Hierzu existieren (unter anderem) die Verfahren PGP und dessen freie Variante GnuPG, sowie S/MIME (vorwiegend im B2B-Bereich), die jedoch noch nicht besonders weit verbreitet sind. Selbst solche Verschlüsselungsverfahren decken lediglich den Inhalt der E-Mail ab, nicht die Betreff-Zeile oder das E-Mail-Datum. Dadurch können unter Umständen Rückschlüsse auf den Inhalt einer verschlüsselten Mail gezogen werden.

Beweiskraft

E-Mails haben wenig Beweiskraft, da der Sender bei den herkömmlichen Protokollen und Log-Mechanismen keine Möglichkeit hat, zu beweisen, wann er was an wen versendet hat und ob der Empfänger die E-Mail erhalten hat. Durch eine Elektronische Signatur und vor allem durch eine Qualifizierte elektronische Signatur können allerdings im Rechtsverkehr (Zivilrecht, Verwaltungsrecht) Verbindlichkeiten geschaffen werden, die auch vor Gericht Bestand haben. Umgangssprachlich wird dann von einer „Digitalen Unterschrift“ gesprochen. Das verbindliche Setzen eines Zeitstempels wird unter bestimmten Voraussetzung ebenfalls anerkannt. Näheres wird im Signaturgesetz geregelt. Den Empfang der Nachricht kann eine Signatur allerdings nicht beweisen, hierzu ist beispielsweise eine – idealerweise ebenfalls signierte – Antwort notwendig. Einige Dienstleister bieten Lösungen an, die Signatur, Verschlüsselung und Antwort automatisieren (zum Beispiel E-Mail-Frachtdienst genannt).

Laufzeit

E-Mail ist, anders als zum Beispiel Telefon oder IRC, nicht für zeitgleiches (synchrones) Senden und Empfangen entwickelt, sondern es ist wie Briefpost oder Fax, ein asynchrones Kommunikationsmedium – der Sender kann seine Nachricht auch senden, wenn der Empfänger sie nicht sofort entgegennehmen kann. Die Laufzeit der E-Mail kann ein Problem darstellen, da sie – anders als zum Beispiel beim Telefax – nicht vorhersehbar ist und unter ungünstigen Voraussetzungen stark schwanken kann. Die Schwankungen der Laufzeit werden durch eine Vielzahl von Parametern beeinflusst, vor allem durch die Auslastung der beteiligten Mailsysteme sowie der für E-Mail bereitstehenden Übertragungskapazität der, die Mailsysteme verbindenen Leitungen. Ist der Mailserver des Empfängers länger nicht erreichbar oder die Mail wird nur in großen Zeitabständen auf den Server des Empfängers übertragen, kann es durchaus zu Laufzeiten von einigen Tagen kommen.

Absenderauthentifizierung

Im Jahre 2004 gab es verschiedene Versuche, das Spam-Problem in den Griff zu bekommen. Dabei konkurrierten die Verfahren Sender ID von Microsoft, Sender Policy Framework (SPF), DomainKeys von Yahoo! und RMX um die Gunst der Umsetzung. Eine IETF-Arbeitsgruppe versuchte, einen Standard zu definieren. Die Funktionsweise ist dabei bei allen Verfahren ähnlich. Durch einen Zusatzeintrag im DNS sollte es möglich sein, den sendenden Mailserver zu verfizieren. Die IETF-Arbeitsgruppe scheiterte aber letztendlich an ungeklärten Patentansprüchen von Seiten Microsofts. Die verschiedenen Verfahren sollen nun in eigenen Verfahren als RFCs umgesetzt werden.

Siehe auch


- E-Post, Mail-Verteiler, Spam, Vorhaltezeit
- Netiquette, Kommunikette, O.T., TOFU
- Signature, vCard, Idiotenfalle
- Geekcode, MAPI, MIME, MetaEmailSearchAgent

Weblinks


- [http://th-h.de/faq/headerfaq.php E-Mail-Header lesen und verstehen]
- RFC 2142 – Mailbox Names for Common Services, Roles and Functions
- RFC 2368 – The mailto URL scheme
- RFC 2822 – Internet Message Format !E-Mail ja:電子メール ko:전자 우편 simple:Email th:อีเมล

Benutzername

Unter einem Benutzernamen (engl. User name) oder Nickname (engl. „Spitzname“, oft kurz Nick) versteht man im heutigen deutschen Sprachgebrauch einen (meist kurzen) Namen, den ein Computernutzer bei bestimmten IT-Diensten verwendet und den er in der Regel über längere Zeit beibehält. Der Begriff „Benutzername“ wird gebräuchlicherweise verwendet, wenn er mit einem Benutzerkonto verknüpft ist und daher eine Anmeldung oder Registrierung notwendig macht. Der Begriff „Nickname“ hingegen hat im deutschen Sprachgebrauch eine andere Bedeutung als der „Spitzname“ im Englischen. Er beschränkt sich häufig auf den Bereich des Internets und kann sich auch auf Dienste ohne festes Benutzerkonto beziehen. Zudem hat er oft auch eine persönlichere und informellere Konnotation als der „Benutzername“ und wird vom Benutzer selbst nach eigenen Maßstäben gewählt. Im Gegensatz zum Nickname bezeichnet Realname den echten Namen des Benutzers, etwa in der Form „Vorname Nachname“ oder „Nachname, Vorname“. Zuweilen wird in der Netiquette ausdrücklich die Angabe des Realnames gefordert. Im Internetbereich wird ein Nickname bei diversen Diensten wie dem Chat oder den zahlreichen Diskussionsforen – teilweise übergreifend – verwendet, um seinen Realname nicht anderen Benutzern preisgeben zu müssen und eine gewisse Anonymität zu wahren, was für viele mit Sicherheit auch den Reiz dieser Kommunikationsform ausmacht. Auch die Wikipedia selbst verwendet Nicknamen zur Identifikation ihrer Benutzer. Die Tatsache, dass zwei gleiche Nicknamen zur Vermeidung von Verwechslung gemieden werden, sowie die Freiheit bei der Wahl des Namens, führen oft zur Wahl phantasievoller Namen, die teilweise die Persönlichkeit oder Vorlieben des Benutzers widerspiegeln und unter denen er sich bei regelmäßiger Nutzung eine eigene Identität aufbauen kann. Auch taucht der selbe Nick oft mit kleinen Variationen auf. (Fritz, Fritz_, Fr1tz ...). Möglich sind auch mehrere Nicknames bei verschiedenen Diensten, bei denen er unterschiedliche Rollen zum Ausdruck bringen möchte. Manche Nicknames sind bewusst ironisch angelegt, wie etwa Nerd. Andere sind Wortneuschöpfungen oder erinnern an fiktive Lieblingspersönlichkeiten.

Siehe auch


- Pseudonym
- Netzkultur
- Demoszene („Handle“) Kategorie:Netzkultur ! Kategorie:IRC ja:愛称

Symbol

Das Symbol (latein symbolum, von griechisch σύμβολον - das (Kenn-)Zeichen, Emblem, Sinnbild, Bild, von συν~, syn'~ - zusammen~ und ballein - werfen, also das Zusammengefügte) bezeichnet ein Zeichen der Verbundenheit mit einer Bedeutung oder ihrem Besitzer. Symbole sind visuelle oder sprachlich formulierte Zeichen, die auf etwas außerhalb ihrer selbst verweisen. Zumeist enthalten sie einen Bedeutungsüberschuß, lassen sich also nicht restlos verstehen, entschlüsseln oder ausinterpretieren. Während beispielsweise Verkehrszeichen eine genau definierte Bedeutung transportieren, ist der Gehalt eines Symbols, wie es vor allem in Religion, Mythos, Kunst und Psychologie verwendet wird, im Prinzip nicht ausschöpfbar. Von Symbolen abgeleitet sind Zeichen, aus denen man etwas eindeutig schließen oder erkennen kann. Also: Kennzeichen, Wahrzeichen, Abzeichen, Sinnbild, (Erkennungs-)Marke, (Ausweis-)Karte, Bezeichnung. Nicht zu verwechseln mit der Allegorie. Gleichwohl spricht man beispielsweise auch von mathematischen Symbolen, obwohl diese genau definiert sind. Der Begriff wird also nicht einheitlich verwendet, woraus zuweilen eine Begriffsverwirrung resultieren kann.

Ursprung

Die Ursprungsbedeutung leitet sich von einem antiken Brauch ab: Ein Gast reichte seinem Gastgeber zum Abschied eine zerbrochene Tontafel oder einen Tonring. Sie dienten als Erkennungszeichen bei einem möglichen Gegenbesuch eines Mitglieds aus dem Gastgeberhaushalt bei dem ehemaligen Gast: Durch das Zusammenfügen der beiden Bruchstücke konnte sich der ehemalige Gastgeber (oder einer aus seiner Familie) als solcher zu erkennen geben. Der Ring als Symbol weist so über sich hinaus auf die Bedeutung „Freundschaft“.

In der Philosophie

In der Ästhetik (als einer Sparte der Philosophie) ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Auf Denk- und Grabmälern nicht unüblich. Beispiel: Der „Lindenbaum“ im Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ von Franz Schubert/Wilhelm Müller. Nach Dietrich Ritschl sind Symbole „Produkte bewusster, reifer Erkenntnisleistung durch Repräsentanzen in Form von Worten, Handlungen oder Gesten. Symbole vermitteln, was anders nicht artikuliert werden kann.“ (Zur Logik der Theologie, München 1984, 22). Hiergegen steht die These der Psychoanalyse, besonders Sigmund Freud und Ernest Jones, daß sich Symbole hauptsächlich über Verdrängung strukturieren. Der Philosoph Jacques Derrida nimmt Symbole als wirkend an und schuf für das wirkende Zeichen den Begriff der Differance. Der Literaturtheoretiker Kenneth Burke versucht, Symbole als rhetorische Strategien zu begreifen, die dazu dienen, Konflikte der individuellen Psyche in die Gesellschaft zu entlassen. Mit der Symbolik, der Erforschung des Wesens und der Arten der Symbole, hat sich bahnbrechend Ernst Cassirer befasst.

In der Religion

Religion] # Alle Religionen drücken Kerngedanken in Symbolen aus, z.B. das Rad (als Symbol der ewigen Wiederkehr), das leere Grab (als Symbol der Auferstehung), der Weg (als Symbol der Lebensgeschichte oder der Lebensführung). # Daneben gibt es in den christlichen Kirchen Glaubenssymbole, das sind Glaubensbekenntnisse. Dies leitet sich von einer Nebenform des griechischen Wortes sýmbolon, dem symbólaion (griechisch συμβόλαιο[ν]), ab: der Vertrag, die Übereinkunft. Diese Symbola sind als verbindliche Glaubensurkunden zu verstehen (z.B. das Apostolikum und die Confessio Augustana). Auch eine Zahlensymbolik durchzieht das theologische Denken, deren Grundlage die Drei als Zahl der Dreieinigkeit und der theologischen Tugenden, und die Vier als Zahl der Welt bilden. Es gibt vier Tages- und Jahreszeiten, Himmelsrichtungen, Elemente, Lebensalter, vier christliche Kardinaltugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit), vier Ströme des Paradieses (Euphrat, Tigris, Pison, Geon), als Männer mit Wasserkrügen z.B. am Taufbecken des Hildesheimer Doms abgebildet. In der Vierzahl kommen auch die großen Propheten und die Evangelisten vor. Drei und vier ergeben addiert sieben, multipliziert zwölf. In der Siebenzahl treten die Tugenden, die Todsünden und die freien Künste (artes liberales) auf, zu zwölfen die Monate, die Stämme Israels, die kleinen Propheten, die Jünger Jesu. Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen. Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass alle "Religiöse Sprache" im Wesentlichen symbolisch sei, weil die Religion sich ja meist auf die Transzendenz bezieht und damit alles Vordergründige ( als die Immanenz )übersteigt.

Beispiele

Religiöse Symbole sind u.a.:
- Baha'i: der neun-zackige Stern
- Buddhismus: das acht-speichige Rad der Lehre; Internationale Buddhistische Flagge
- Christentum: Alpha und Omega, Kreuz, Fisch, Christusmonogramm, Agnus Dei [http://www.apfelweibla.de/fachlexikon_symbole_christliche.htm Christliche Symbole]
- Hinduismus: Om
- Islam: Halbmond
- Judentum: Davidstern (magen David, das Schild Davids), Menora (siebenarmiger Leuchter) Beispiele „Religiöser Handlungen“ sind Sakramente wie Taufe und Abendmahl.

In der Mythologie

... werden, wie in der Religion, Symbole verwendet, die auf Transzendenz verweisen. Mit ihrer Erforschung befasst sich vor allem die Tiefenpsychologie in der Tradition von Carl Gustav Jung und die Vergleichende Mythologie. Auf der Arbeit Jungs beruhen z.T. auch die Forschungen von Mythologen wie Joseph Campbell, der die Symbole in Religion und Mythos als innere und geistige Wahrheiten im Gegensatz zu historischen Fakten interpretiert und zu den wichtigsten Vertretern der Vergleichenden Mythologie (Comparative Mythology) zählt. Laut Campbell enthält die Bildsprache von Mythos und Religion selbst keine absolute Wahrheit, sondern verweist auf eine Wahrheit jenseits von Bildern, Bedeutungen, Ideologien, Theologien und Konzepten. Insofern ist das mythische Symbol ein Hilfsmittel, um das Bewusstsein zu transformieren und zu erweitern im Hinblick auf Transzendenz. Es steht damit im Gegensatz zur ideologischen oder manipulativen Verwendung von Symbolen, wie sie zum Teil in Politik oder Religion zu beobachten ist.

In der Kunst

Die bildende Kunst verwendet seit den frühesten Beispielen von Höhlenmalerei bis in die Gegenwart hinein Symbole. In sakraler Kunst folgt die Symbolik dabei den Vorgaben von Religion und Theologie. Es gibt häufig eine verbindliche Ikonographie. In der Moderne tritt dagegen der individuelle und freie Umgang mit Symbolen an die Stelle traditioneller Bildprogramme.

In der Naturwissenschaft

Auch die Wissenschaft verwendet Symbole, indem Wirklichkeit in Form von symbolischer Repräsentanz abgebildet wird. Ernst Cassirer deutet den gesamten Bereich menschlicher Kultur in Form von symbolischen Formen: Auch in den Wissenschaften wird mit sinnlichen Zeichen gearbeitet, die zum Träger von geistigen Bedeutungen und damit von Sinn werden.

In der Politik

finden Symbole häufige Verwendung (z. B. in Gestalt nationaler Fahnen), siehe auch politisches Symbol

Beispiele

Beispiele für politische Symbole:
- das Hakenkreuz als Symbol für den Nationalsozialismus
- Hammer und Sichel als Symbol des Kommunismus
- der Halbmond als Symbol für den Islam und islamische Einrichtungen (Roter Halbmond)
- das christliche Kreuz als Zeichen christlicher Bewegungen und Institutionen (Rotes Kreuz)
- das Kreuz ist das zentrale religiöse Symbol des Christentums, wurde aber vielfach politisch gezeigt (von den Kreuzzügen bis zu politischen Freiheitsdemonstrationen 2004 in der Ukraine)
- das rote Kreuz auf weißem Grund als Abzeichen des Roten Kreuzes als einer nichtstaatlichen Organisation, in politischer Absetzung zu Nationalfahnen, besonders im Krieg als Zeichen politischer Neutralität
- der Turban und das Schwert des Sikh als öffentliches symbolisches Bekenntnis
- der Fez als Kennzeichen islamischer Männer (vgl. das laizistische Fez- und Kopftuchverbot in der modernen Türkei im Kampf gegen das Kalifat)
- das Kopftuch oder auch der Schleier als Kennzeichen islamischer Frauen, politisch vom Islamismus zum Zeichen der öffentlichen Bekenntnisses zur Recht- und Strenggläubigkeit aufgewertet
- die Farbe Grün steht für den Islam und islamische Einrichtungen und wird politisch vielfach verwandt (vgl. die Fahne des revolutionären Libyen)
- die Farbe Violett steht für die evangelische Kirche bzw. für die Frauenbewegung In manchen Staaten (z. B. in Frankreich), ist das Tragen von politischen oder religiösen Symbolen in öffentlichen Gebäuden verboten. Siehe auch: Nationale Symbole, Meinungsfreiheit, Kopftuchstreit, Staatsneutralität, weltanschauliche Neutralität

In der Wirtschaft

sind Symbole zumal am Erfolg von Marken beteiligt (z. B. der "Erdal"-Frosch, "Mercedes"-Stern). Doch auch allgemeine Symbole existieren, wie das Standbild zum Zeichen des Marktfriedens - der "Roland" - in deutschen Städten (heute noch unter anderem in Bremen und Wedel, einige im Ausland).

In der Technik

sind eher Allegorien als Symbole von großer Bedeutung,vereinfachte Darstellungen als Repräsentanten real existierender Teile oder Systeme. (Aus ihnen geht hervor, um welches prinzipielle Teil es sich handelt, unabhängig davon, ob die reale Ausführung modernisiert ist, wie z.B. der Papierkorb in der Desktopeinstellung.) Doch haben einige davon auch symbolische Kraft gewonnen (die Silhouette einer Dampflokomotive, der Zirkel in der Fahne der DDR).

Im Sport

Im Wettkampf haben sich etliche Symbole durchgesetzt (z. B. die Goldmedaille bei Sieg, Silber für den zweiten, Bronze für den dritten, dem vierten bleibt nur die „blecherne“ Medaille).

In der Pädagogik

Hier ist die Symboldidaktik zu nennen.

Siehe auch


- Symbolik
- Liste von Symbolen
- Abzeichen
- Allegorie
- Begriff
- Dingbats
- Einheitenzeichen
- Formelzeichen
- Genealogische Zeichen
- Hieroglyphen
- Kennzeichen
- Maskottchen
- Piktogramm
- Siegel
- Signal
- Signographie
- Sinnbild
- Symbolischer Interaktionismus
- Symbolismus (Symbole in der Literatur)
- Symboltier
- Todessymbolik
- Wappen
- Wikipedia:Tabelle mathematischer Symbole

Literatur


- Udo Becker: Lexikon der Symbole, ISBN 3-89836-219-1
- Manfred Lurker: Die Botschaft der Symbole, ISBN 3466203198
- Carl Gustav Jung et al.: Der Mensch und seine Symbole, ISBN 3530565016
- Rudi Keller: "Zeichentheorie”, UTB, ISBN 382521849X

Weblinks


- [http://www.katholisch.de/2493.htm katholische Kirche im Internet: katholische Symbole und Riten]
- [http://www.kunstdirekt.net/Symbole/exkursheinzmohr.htm Gerd Heinz-Mohr: Über Symbolik]
- [http://www.sukhavati.de Symbole in Mythologie, Religion und Tiefenpsychologie]
- [http://www.kath.de/kurs/symbole/ christliches Symbollexikon]
- [http://www.symbolforschung.org Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung e.V.]
- [http://www.reinigungsportal.com/pictogramme.html Typische Reinigungs- und Entsorgungssymbole] ! Kategorie:Rhetorischer Begriff Kategorie:Literarischer Begriff Kategorie:Stoffe und Motive Kategorie:Psychoanalyse ja:シンボル simple:Symbol

Schreibmaschine

Eine Schreibmaschine ist ein mechanisches oder elektromechanisches Gerät, das die Tastatureingabe ihres Benutzers als Text zu Papier bringt. Es besteht aus einem Tastenfeld, einem mechanischen oder elektronischen Übertragungsmechanismus, der auch Speicher- und Korrekturelemente enthalten kann, und einem Ausgabegerät, das mittels fliegender (Typen) (mechanische Schreibmaschinen), Kugelkopf, Typenrad oder Typenwalze den Text auf das Papier aufdruckt. Das Papier wird meist über Walzen zeilenweise weiterbefördert. Die horizontale Positionierung erfolgt mit einem Wagen. Je nach Bauweise verschiebt dieser die Walze mit dem Papier nach jedem geschriebenen Buchstaben um einen Schritt nach links oder die schreibende Einheit um einen Schritt nach rechts. Der Zeilenvorschub erfolgt auf Anforderung des Bedieners, durch Betätigen entweder des Zeilenvorschubhebels oder der Zeilenvorschubtaste. Mehrere Exemplare eines Schriftstückes (so genannte Durchschläge), werden mit Hilfe von Kohlepapier erstellt.

Entwicklung und Geschichte

Kohlepapier - eine frühe "Schreibmaschine"]] Die Ursprünge der Schreibmaschine sind nicht bekannt. Erste Hinweise auf eine Maschine stammen aus dem Jahr 1682. Da man davon jedoch weder das Modell, noch den Namen des Erfinders kennt, einigte man sich auf Henry Mill, der 1714 das erste bekannte Patent für den Vorläufer der Schreibmaschine erhielt. Aber auch von dieser Konstruktion sind weder Zeichnungen erhalten, noch verrät die Beschreibung die konstruktiven Einzelheiten. Er bekam sein Patent wohl nur für die Idee einer Schreibmaschine. Die erste wirklich gebaute Schreibmaschine stammt deshalb wohl von dem Italiener Pellegrino Turi aus dem Jahre 1808. 1832 machte Karl Drais einen Vorschlag einer Schreibmaschinentastatur unter welcher der Papierstreifen durch ein Uhrwerk weiterbewegt werden sollte. Von 1864 bis 1869 entwickelte Peter Mitterhofer fünf verschiedene Typen von Schreibmaschinen. Die erste Schreibmaschine, die auch verkauft wurde, die so genannte Skrivekugle, kam von dem Direktor des dänischen Taubstummeninstitutes, Pastor Malling Hansen. Die ersten Modelle waren teilelektrifiziert (Wagenrücklauf) und ab 1875 wurden sie auch in Wien durch die Firma Szabel handwerklich gefertigt. WienDie erste in größeren Stückzahlen hergestellte Schreibmaschinen war der Sholes&Glidden Typewriter der US-amerikanischen Waffenfabrik Remington, die 1874 unter der Leitung von Christopher Latham Sholes entwickelt worden war. In sie waren die Erfahrungen von beinahe dreißig Vorgängermodellen eingeflossen. Die Sholes&Glidden hatte 44 Tasten und konnte nur Großbuchstaben schreiben. Bei den frühen Modellen erfolgte der Wagenrückzug über ein Fußpedal. Die Remington Nr. 2 erschien 1878 und konnte zwischen Groß- und Kleinbuchstaben umgeschaltet werden und das Farbband selbständig transportieren. Außerdem hatte sie, wie das Vorgängermodell, bereits das QWERTZ-Tastaturlayout (englisch: QWERTY-Tastaturlayout). QWERTZ-Tastaturlayout Die erste in Deutschland produzierte Schreibmaschine wurde 1882/83 von der Hamburger Nähmaschinen-Fabrik Guhl&Harbeck unter der Bezeichnung "Hammonia" auf den Markt gebracht. Geringe Stückzahlen wurden nach England und Kanada exportiert. 1893 ließ der in die USA emigrierte deutsche Konstrukteur Franz Xaver Wagner die Typenhebelschreibmaschine patentieren. Wagner hatte zusammen mit seinem Sohn Hermann unter anderem das Segment, den Zwischenhebel und damit das so genannte Wagnergetriebe erfunden. Diese Erfindungen ermöglichten es schließlich eine Maschine mit Typenhebeln zu bauen, bei der man das Geschriebene sofort sehen konnte. Davor musste man dazu erst den Wagen oder die Walze nach oben klappen. Diese neue Maschine wurde 1896 von dem Unternehmer John T. Underwood auf den Markt gebracht. Underwood war Produzent von Tinten und Farbbändern. Als Underwood bei Remington seine Produkte vorstellen wollte, teilte man ihm lapidar mit, dass Remingten seine Farbbänder selber herstelle. Underwood entgegnete nur, dass Underwood dann eben künftig auch seine Schreibmaschinen selber herstellen würde. Die erste Underwood-Schreibmaschine wurde daraufhin nach von den Wagners gekauften Patenten entwickelt. Underwood hatte insbesondere mit dem Modell No.5 aus dem Jahre 1900 sehr großen Erfolg in den USA. Diese Maschine setzte in Ihrer Konstruktion den Maßstab für alle nachfolgenden Maschinen anderer Hersteller Weltweit. 1920 waren über 50% aller Schreibmaschinen in den USA von Underwood. Die erste Blindenschreibmaschine wurde 1899 von Oskar Picht erfunden. 1903 kam mit der Blickensderfer Electric die erste elektrische Schreibmaschine. Diese konnte sich jedoch nicht auf dem Markt durchsetzen, obwohl die Technik der Konkurrenz um Jahrzehnte voraus war. Vermutlich scheiterte sie daran, dass es in den verschiedenen US-Bundesstaaten keine einheitliche Netzspannung gab oder gar manche Orte nicht über Elektizität verfügten. 1903 Zwischen 1903 und 1933 baute AEG 350.000 Zeigerschreibmaschinen vom Typ Mignon. Bei ihr wurde mit der linken Hand der Zeiger zum gewünschten Buchstaben geführt und mit der rechten Hand auf das Papier gebracht. 1910 gab es in den USA bereits mehr als einhundert Schreibmaschinenfabriken. 1910 kam aus Dresden mit Erika No.1 die erste deutsche Reiseschreibmaschine. 1921 Erschien auf dem deutschen Markt die Mercedes Elektra, eine mechanisch angetriebene Schreibmaschine mit seitlich angeflanschtem Elektromotor. Es gab auch eine Version dieser Maschine, welche anstelle des Motors eine Riemenscheibe hatte um den Antrieb über eine Deckentransmission (meist mit einer Dampfmaschine angetrieben) zu ermöglichen. Der Lärm in Schreibsälen mit über 50 solcher Maschinen war recht enorm. Die Rechte der Nutzung des Namens Mercedes für seine Schreibmaschine hatte sich der findige Hersteller vom Automobilbauer Mercedes Benz erkauft, in der Hoffnung alleine über den Namen, welcher damals schon allgemein für Qualität und Robustheit stand, dem Käufer zu suggerieren eine besonders wertige Maschine gekauft zu haben. Kleinere Verbesserungen gab es immer wieder im Lauf der Zeit. Die großen Innovationen kamen nach dem 2. Weltkrieg zumeist von IBM. 1947 erschien zum Beispiel mit der IBM Executive die erste Schreibmaschine mit Proportionalschrift. 1962 begann IBM mit dem Verkauf der ersten Schreibmaschinen mit Kugelkopf, der IBM 72, und brachte damit eine Maschine mit einem gänzlich neuen Konstruktionsprinzip heraus. Die Kugelkopfschreibmaschine war mechanisch ein Meisterwerk und äußerst komplex. IBM hielt über mehrere Jahre ein Patent für diese Technologie. Als dieses auslief und andere Hersteller (wie zum Beispiel Triumph-Adler mit der SE-1000) ebenfalls längst entwickelte Kugelkopfschreibmaschinen endlich aus der Schublade ziehen und auf den Markt bringen konnten war dieser für Kugelkopfmaschinen jedoch nicht mehr sehr empfänglich. Schon bald erschienen die ersten elektronischen Schreibmaschinen. In den 1960'ern Jahren eroberte mit der Selectric von IBM die elektrische Schreibmaschine endgültig die Büros. Ende der 1960er kam zusätzlich zum herkömmlichen Farbband, einem mit einer tintenähnlichen Farbe ein- oder zweifarbig eingefärbten Textilgewebeband aus Seide oder Baumwolle, Kunststoff-Farbbänder zum Einsatz. Diese mit Carbon beschichteten Bänder boten einen sehr gleichmäßigen Abdruck mit maximaler Färbung. Allerdings mit dem Nachteil, dass nur wenige Schreiben mit einem solchen Farbband geschrieben werden konnten, da es nur in einer Richtung ablief und danach weggeworfen wurde. Die angeschlagene Type brachte das gesamte Carbon an dieser Stelle auf einmal vom Farbband auf das Papier. Diese Farbbänder waren auch in vielen anderen Farben erhältlich. Mit dem Aufkommen von Schreibmaschinen mit direkter Korrekturfunktion (über ein spezielles Korrekturband, welches die Farbe vom Papier wieder abhob) wurde noch unterschieden, ob ein solches Carbonband überhaupt korrekturfähig war, oder nicht. Auch konnte man von einem benutzten Farbband ablesen, welche Typen angeschlagen wurden, und somit praktisch die ganze Korrespondenz, die mit dieser Maschine geschrieben wurde. Für wichtige Dokumente, zum Beispiel bei Banken oder Notaren, durften daher ausschließlich nicht korrigierbare Farbbänder werwendet werden, welche nichts über das Geschriebene preisgaben. Um zu verhindern, dass versehentlich das falsche Farbband eingelegt wurde, hat man in die betroffenen Schreibmaschinen eine so genannte Bankensperre eingebaut, die über eine mechanische Kodierung das Einlegen eines korrekturfähigen Farbbandes verhindert. 1973 wurde von IBM die so genannte tastengesteuerte Korrektureinrichtung eingeführt. IBM 2003 wurde die Schreibmaschine aus dem Verbraucherpreisindex gestrichen, nachdem sie längst von den Computern verdrängt worden war. Die Entwicklung der Schreibmaschine erreichte aber schon Ende der 1980'er Jahre ihren Höhepunkt. Die sehr teuren Spitzenmodelle waren mächtige Textverarbeitungssysteme und verfügten über einen Bildschirm, Diskettenlaufwerke und andere Massenspeicher, waren komfortabel, schnell und lieferten ein makelloses Schriftbild, viel besser als die damals üblichen Matrixdrucker der aufkommenden EDV-Anlagen. Am anderen Ende waren die kleinsten Schreibmaschinen schon für weniger als 100,- Euro zu haben, da immer mehr Bauteile preiswert aus Kunststoff gefertigt und die Elektronik immer höher integriert werden konnten. Aktuell gibt es noch Schreibmaschinen des japanischen Herstellers Brother, der aber aufgrund der Marktlage (=Konkurrenz zum Computer) das Sortiment der höherwertigen Textverarbeitungssysteme der zuletzt MS-DOS-kompatiblen Displayschreibmaschinen mit eingebautem Diskettenlaufwerk (LW-Reihe) zugunsten der einfacheren herkömmlichen Schreibmaschinen der AX-Reihe einstellte. Die zuletzt gebaute Schreibmaschine der LW-Reihe war die Brother LW-840ic, die einem Computer nur in wenigen Dingen wirklich unterlegen war. Kurz gesagt, ist eine LW-840ic ein Laptop-Computer mit integriertem Tintenstrahldrucker. Hersteller von Schreibmaschinen waren Adler, Hermes, Underwood, Olivetti, Olympia, Optima, Wanderer (Continental) in Chemnitz, Mercedes in Zella-Mehlis, Seidel u. Naumann (Ideal, Erika) in Dresden, Clemens Müller (Perkeo, Urania) in Dresden, Triumph (später fusioniert mit Adler), Torpedo, Rheinmetall, Remington, AEG (später fusioniert mit Olympia), Stoewer (Modell 1-5, Stoewer Record, Stoewer Elite) in Stettin, Frister u. Rossmann (Senta), Kappel, um nur einige zu nennen. Die Bezeichnungen in Klammern sind einzelne Namen von Schreibmaschinen bzw. Modellreihen.

Verschiedene Konstruktionen

Zu Beginn hatte die Schreibmaschine nur einen Taster und Zeiger. Bald jedoch kamen Modelle mit vielen Tastern. Diese gab es dann mit Typenhebel, Typenstab, Typenrad, Typenscheibe, Typenplatte, Typenstange und Typenband. Später kam noch der Kugelkopf hinzu. Mit Einführung von Kugelkopf und Typenrad konnten Schriftgröße und Schrifttypen leicht ausgewechselt werden. Durch einen mehrfachen Anschlag mit leichter Versetzung des gleichen Buchstabens konnte mit elektrischen Schreibmaschinen auch fett geschrieben werden.

Siehe auch


- Schreibmaschinenschrift
- Vittorio Emmanuele II Monument in Rom (im Volksmund wegen seiner Form auch Schreibmaschine genannt)
- Tastschreiben

Weblinks


- [http://www.typewritermuseum.org VTM - The Virtual Typewriter Museum]
- [http://www.schreibmaschinenmuseum.com/index_2.htm Schreibmaschinenmuseum] Kategorie:Schreibgerät Kategorie:Büromaterial Kategorie:Schreibtechnik ja:タイプライター ms:Mesin taip

Ligatur (Typografie)

Eine Ligatur ist in der Typografie eine Buchstabenverbindung. Sie hat sich historisch entweder durch schnelle Schreibweise häufig genutzter Zeichen gebildet oder wurde zur optischen Korrektur anders als die Einzelzeichen geschrieben. Im Bleisatz wurden Ligaturen zur Ermöglichung von Unterschneidungen benutzt. Manche behaupten, das Wort stamme vom Begriff Legierung ab, welches eine innige Verbindung zweier unterschiedlicher Stoffe/Materialien umschreibt. Wahrscheinlicher ist jedoch ein lateinischer Ursprung: ligatur zum Verb ligare ("verbinden"): "Es werde verbunden." Ein weiterer Grund für die Entwicklung von Ligaturen sind technische Notwendigkeiten im Bleisatz. Hier wurden häufig verwendete Buchstabenkombinationen zu einem Buchstaben, also zu einem Schriftkegel zusammengefasst, um zu verhindern, daß weit über den Schriftkegel auskragende Buchstaben (z. B. f oder Q) bei häufigem Gebrauch abbrechen und so den Buchstaben unbrauchbar machten. Das Druckbild einiger Buchstaben wurden seinerzeit rechts über den Kegel stehend gegossen, um so Löcher im Textfluß zu vermeiden und den nachfolgenden Buchstaben näher an den Vorgänger-Buchstaben setzen zu können. Da dieses engere Zusammenfügen meistens die gleichen Buchstabenkombinationen betraf, wurden diese Kombinationen bald auf einem gemeinsamen Schriftkegel gegossen – und eine Ligatur entstand. Die bekanntesten Ligaturen im klassischen (deutschsprachigen) Bleisatz sind: ch, ck, ff, fi, fl, ft, ll, sch, si, sl, ss, st, tt, tz und Qu. Die Ligatur ermöglichte dabei auch weitergehende Freiheiten in der Buchstabengestaltung.

Bekannte Beispiele

Ein bekanntes Beispiel für eine Ligatur ist das &-Zeichen. Ursprünglich wurde es in Einzelbuchstaben als et geschrieben. Eine andere Art von Ligaturen ist beim ß oder bei den Buchstabenkombinaten ff und fl zu beachten. Die Anzahl der Ligaturen ist bei verschiedenen Schriftarten unterschiedlich. Die Ligaturen werden üblicherweise typografisch gestaltet und bilden nicht nur eine einfache Verkleinerung der Laufweite (wie man auch beim genauen Betrachten der angegebenen Beispiele sehen kann) sondern vermeiden zudem optische Lücken, die beim schnellen und angenehmen Lesen stören.

Ligatur und Schriftsystem

Für die europäischen Schriften gilt: Eine Ligatur ist ein Element der grafischen Oberflächenstruktur der geschriebenen Sprache. Das heißt, dass sie nicht notwendiger Bestandteil des Schriftsystems, der Orthografie sind. Ihre Verwendung folgt allein typografischen Regeln, die der optischen bzw. ästhetischen Gestaltung dienen, ohne für die Bedeutungsunterscheidung von Wörtern notwendig zu sein. Für das Funktionieren der deutschen Orthografie ist es zum Beispiel nicht notwendig, knifflig mit Ligatur zu schreiben. Die Verwendung von Ligaturen ist in keiner europäischen Sprache orthografisch vorgeschrieben, sie ist ein Stilmittel und von Schriftart zu Schriftart unterschiedlich. Ligaturen sind demnach keine Grapheme eines Schriftsystems. (Diese graphematische Einstufung des Begriffs hat seine Parallele in der phonologischen Bewertung von Phänomenen wie die eines silbischen n] in reden. Das silbische [n] ist Element der phonetischen Oberflächenstruktur, es ist kein eigenes Phonem des Deutschen; phonologisch basiert es auf der Phonemverbindung /ən/.) Von diesen echten, synchron als solche verwendeten Ligaturen sind Einheiten eines Schriftsystems zu unterscheiden, die ursprünglich (diachron) aus Ligaturen entstanden sind (vgl. auch die Entwicklung des lateinischen Alphabets). Zu diesen zählen Buchstaben wie w, ß, æ, œ und Zeichen wie & und % (vgl.u.). Die Verwendung solcher Buchstaben unterliegt orthografischen Regelungen, sie sind kleinste bedeutungsunterscheidende Einheiten eines Schriftsystems und damit Grapheme wie andere Buchstaben auch.

Die früheren Ligaturen w und ß

Graphem Die im Deutschen am häufigsten verwendeten ursprünglichen Ligaturen sind das w und das so genannte Eszett oder scharfe s, manchmal auch spitzes s oder Dreier-S genannt. Obwohl w und ß historisch Ligaturen sind, werden sie heute als Buchstaben (Grapheme) betrachtet und behandelt. Während das beim w im Deutschen selbstverständlich ist (vgl. aber in anderen Sprachen die dort vorkommenden Bezeichnungen »Doppel-u« bzw. »Doppel-v« und im Schwedischen seine alphabetische Einordnung beim Buchstaben v), wird das ß in manchen Bereichen (z. B. bei der alphabetischen Einordnung) wie ein Doppel-s behandelt, obwohl es sich in seinem funktionalen, graphematischen Gebrauch gerade in seiner Abgrenzung zu ss und s und damit als selbständige funktionale Einheit definiert. Auch gibt es nach wie vor keinen Großbuchstaben für das ß (an dessen Stelle wird heute SS geschrieben), auch wenn die Schaffung eines solchen im Reformtext von 1901 und den ersten Duden-Auflagen nach 1901 immer wieder gefordert wurde. In der DDR gab es Versuche, eine typografische Form dafür zu finden und zu etablieren (vgl. z. B. das [http://www.typeforum.de/news_158.htm Deckblatt des »GROßEN DUDENS« von 1959/1965], Leipzig, 15.Aufl). Vor der Rechtschreibreform von 1996 war bei Versalienschreibung neben SS auch SZ möglich (zur Vermeidung von Verwechslungen), in der Reform von 1901 galt die Schreibung mit SZ sogar als obligatorisch. w hat sich als Ligatur aus zwei u bzw. v entwickelt (in dieser Zeit wurde noch nicht zwischen den Buchstaben u und v unterschieden). Das ß hat zwei verschiedene Ursprünge (Genaueres dazu im Artikel ß). Das deutsche ß hat sich in den gebrochenen Schriften des Mittelalters als Ligatur aus langem ſ und z entwickelt. In den frühneuzeitlichen Antiqua- und Kursivschriften hat es sich hingegen als Ligatur aus langem ſ und rundem s entwickelt. Diese Ligatur, eine Variante des Doppel-s, geriet im 18. Jahrhundert gleichzeitig mit dem langen ſ außer Gebrauch. ſ Im 19. Jahrhundert wurde das Deutsche vermehrt in Antiqua gesetzt statt in gebrochenen Schriften (meist Fraktur). Im Wörterbuch der Gebrüder Grimm wird durchgängig die Schreibweise sz verwendet. Man suchte ein Antiqua-Äquivalent zur sz-Ligatur. Vier Lösungen, teilweise nach historischen Vorbildern, bildeten sich heraus: # Buchstabenkombination ſs (nicht als Ligatur), # Ligatur aus ſ und s (wie in den frühneuzeitlichen Antiqua-Schriften), # Ligatur aus ſ und einer Art Fraktur-z (das z der gebrochenen Schriften ähnelt einer 3), # eine Art Ligatur aus ſ und einer Art 3, so dass ein Zeichen entsteht, das einem griechischen kleinen Beta β ähnelt (eine Art Kompromiss aus 2. und 3.). Heutzutage sind die meisten ß entweder nach 2. oder nach 4. geformt, doch bisweilen findet sich auch eines nach 3. Die Variante nach 1. ist nicht mehr in Gebrauch.

Weitere ehemalige Ligaturen

Ähnlich wie w, ß und das &-Zeichen entstand auch das % aus einer Ligatur der Buchstaben cto für cento (ital. hundert).

Ligaturen im Schriftsatz

Ligaturen im Bleisatz hatten neben der ästhetischen auch eine ganz banale, praktische Komponente: Der Buchstabe f machte immer wieder Probleme. Entweder man stellte ihn bündig auf den Kegel, was ein 'Loch' im Satzbild zur Folge hatte, oder man ließ ihn rechts frei über den Kegel hinaus gehen, damit er zum Teil über den Kegel des nachfolgenden Buchstaben ragte. Dieses 'Freistellen' ohne den schützenden Kegel hatte natürlich zur Folge, daß dieser Buchstabe sehr oft abbrach. Man sann auf Abhilfe und goß der Einfachheit halber die häufigsten f-Kombinationen (und logischerweise auch die des ſ-Buchstabens) zusammen auf einen Kegel. Im Satz mit gebrochenen Schriften und auch beim Satz von Antiquaschriften werden oft mehrere Ligaturen verwendet. Dies ist der Fall, wenn zwei Buchstaben mit Oberlänge (f, i, l, ſ, t) aufeinander treffen. Folgende Verbindungen sind möglich: f+f, f+i, f+l, f+t
ſ+i, ſ+ſ, ſ+t; ſ+c+h
l+l, t+t In skandinavischen Texten findet man außerdem die im Deutschen unbekannten Verbindungen ſ+k, ſ+l und ſ+þ. Der Gebrauch der oben genannten Ligaturen unterliegt allein dem ästhetischen Gefühl des Schreibers. Im Gegensatz dazu gibt es im deutschen Text drei so genannte Zwangsligaturen beim Satz mit gebrochenen Schriften, wobei diese Verbindungen einen phonologischen Hintergrund haben: c+h, c+k, t+z Das ch bezeichnet im Deutschen zwei eigene Laute (den ich- und den ach-Laut), während ck und tz anstelle von kk und zz geschrieben werden. ch und ck finden sich ebenfalls im deutschen Antiqua-Satz bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Wenn c und k getrennt gesprochen werden, wie zum Beispiel in einigen Namen, wurde jedoch keine Ligatur verwendet. Ligaturen werden nicht über eine Wortfuge (gemeint ist die grammatikalische Fuge, nicht die Trennfuge!) hinweg gebunden, vergleiche Kauf-leute und Kau-fläche, letzteres mit Ligatur, aber das fällt nur sehr sorgfältigen Lesern auf.

Ligaturen im Computersatz

Der Computersatz erlaubt eine fast beliebige Positionierung der Buchstaben. Deshalb ist es möglich, den Abstand zwischen zwei Zeichen einzustellen und in vielen Fällen auf Ligaturen zu verzichten. Die ß-Ligatur wird standardmäßig verwendet und als ein Buchstabe behandelt. In guten Fonts sind spezielle Ligaturen vorhanden. Die anderen Ligaturen werden durch entsprechende Positionierung der typografischen Zeichen emuliert. Neue Schrifttechniken wie OpenType, Graphite von SIL oder Apples wenig verbreitetes AAT erlauben den manuellen oder auch automatischen Einsatz von Ligaturen, ohne den zugrundeliegenden Code zu verändern, sofern dies auch explizit in einer Schrift vorgesehen ist. Einige Programme von Adobe, z. B. InDesign 2.0 bieten diese Möglichkeit mit OpenType sowohl unter Mac OS X als auch unter Windows. Bei Microsoft-Programmen wie Word hingegen müssen Ligaturen noch als Sonderzeichen eingefügt werden und verwirren die Rechtschreibprüfung. Das Emulieren mancher Ligaturen aus mehreren Einzelzeichen gelingt dann gut, wenn das Schriftdesign des Fonts darauf bereits angepasst ist. Schwierigkeiten können sich bei der Rechtschreibprüfung ergeben. Selbst einige Satzprogramme unterstützen die Verwendung von Ligaturen nur in recht aufwändiger Weise. Einige Satzprogramme (zum Beispiel TeX) verlagern die Verwendung von Ligaturen in den Ausgabeprozess. Das kann das Problem nur teilweise lösen, da es kontextabhängig ist, ob ein Zeichen als Ligatur gesetzt werden muss oder nicht. Der Setzer muss explizit angeben können, ob eine Ligatur gesetzt werden soll oder nicht (bei LaTeX z. B. »Kauf"|leute« zur Unterbindung der automatischen Ligatur). Wenn beim Buchsatz Wert auf gutes Aussehen gelegt wird, ist die Verwendung von Ligaturen zwingend notwendig. Die automatisierte Setzung bzw. Unterdrückung von Ligaturen anhand der Silbentrennungswörterbücher wird bisher noch von keinem Satzprogramm geleistet. Ungewollte »Ligaturen« können entstehen, wenn Buchstaben zu eng zusammengerückt werden. Dieses unbeabsichtigte Zusammenstoßen ist zu vermeiden. Gute Fonts enthalten entsprechende Informationen zur Optimierung der Abstände von Buchstabenpaaren, so genanntes Kerning.

Ligaturen in anderen Schriften

Nicht nur in der lateinischen Schrift gibt es Ligaturen, auch in vielen anderen sind sie vorhanden. Einige Schriften werden grundsätzlich nur wortweise verbunden geschrieben und gedruckt, wie z. B. mongolisch, arabisch und viele Abkömmlinge der Brāhmī-Schrift. Hier folgt der Einsatz unverzichtbarer bedeutungstragender Ligaturen teilweise recht komplizierten Regeln.

Arabische Schrift

In der arabischen Schrift ist die Form des Zeichens vom Kontext abhängig. Es gibt bis zu vier verschiedene Formen je Buchstaben: allein stehend, initial, medial und final. Die einzige Zwangsligatur im Arabischen ist das Lam-Alif (لا), das bei der Verbindung der Buchstaben ل (Lam) und ا (Alif) entsteht. Bei bestimmten Schriftarten kommt eine große Zahl von weiteren Ligaturen hinzu, deren Verwendung aber nicht obligatorisch ist.

Devanagari

Bei Devanagari, einem Brahmi-Abkömmling, werden Konsonantengruppen durch Ligatur bezeichnet.

Literatur


- Jan Tschichold: Meisterbuch der Schrift. Ravensburg, 1952, 2. Aufl. 1965
- Albert Kapr: Schriftkunst. Dresden, 1971, 1996
- Georg Kandler: Erinnerungen an den Bleisatz. Band 1 (1995) und Band 2 (2001), Minner Verlag, Kornwestheim
- Carl Faulmann: Das Buch der Schrift. Wien 1880 (Nachdrucke sind erhältlich)
- Robert Bringhurst: The Elements of Typographic Style. (zweite Auflage, 2002), Hartley & Marks
- Eberhard Dilba: Typographie-Lexikon und Lesebuch für alle. Books on Demand, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-2522-9

Weblinks


- [http://faql.de/eszett.html Eszett, Umlaute und deren Sortierung]
- [http://www.orthografiereform.de/ausarbeitungen/eszett/hauptteil_eszett.html Wilfried Kürschner: Der Buchstabe ß - Form und Name]
- [http://www.dike.de/pfr-tischner/22-spr/ht-zchn/zchn/sz.htm Heinrich Tischner: Esszett]
- [http://www-nw.uni-regensburg.de/~.brh22505.indogerm.sprachlit.uni-regensburg.de/Ligatur/LIGATUR.HTM Herbert E. Brekle: Zur handschriftlichen und typographischen Geschichte der Buchstabenligatur ß aus gotisch-deutschen und humanistisch-italienischen Kontexten]
- [http://www.personal.uni-jena.de/~x1gape/Pub/Eszett_1997.pdf Gallmann, Peter: Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben. In: Sprachspiegel (Luzern) 4/1996, S.124-130; und in: Augst, Gerhard, et al. (Hgg.): Zur Neuregelung der deutschen Orthographie, Tübingen, Niemeyer 1997.] (PDF)
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Hindi.html Hindi, Dokumentation der Sprache] Kategorie:Typografie ja:合字

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
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„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
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als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

E-Mail

E-Mail (v. engl. electronic mail, „elektronische(r)