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A

A

A bzw. a ist der erste Buchstabe des lateinischen Alphabets und ein Vokal. Der Buchstabe A hat in deutschen Texten eine durchschnittliche Häufigkeit von 6,51 %. Er ist damit der sechsthäufigste Buchstabe in deutschen Texten. Im Morsealphabet wird A oder a mit • – dargestellt. Mit Ausnahme von Fremdwörtern und Namen ist das A der einzige Buchstabe im Deutschen, der zweifach am Anfang eines Wortes stehen darf, etwa im Wort Aal.

Aussprache

Im Deutschen und vielen anderen Sprachen steht der Buchstabe für den offenen vorderen ungerundeten Vokal []: A ist der klangreichste der Vokale, bei dessen Hervorbringen der Stimmton frei aus den weit geöffneten Lippen hervorkommt, während die Zunge in eine flache Stellung niedergedrückt wird. Stellt man das Verhältnis der drei Hauptvokale a, i, u durch eine senkrechte Linie dar, so kommt i als der hellste an das obere, u als der dumpfeste an das untere Ende, a als der mittlere Vokal genau in die Mitte derselben zu stehen. Im Deutschen gibt es zwei verschiedene Phoneme des Vokals: den Kurzvokal a, wie z. B. in satt, und den weiter hinten im Rachenraum gebildeten Langvokal a, wie z. B. in Rat. Die Länge des Vokals ist unterschiedlich gekennzeichnet. Langer Vokal:
- Keine Kennzeichnung: Rat
- Verdopplung des Vokals: Aar, Haar, Aachen
- folgendes h: Bahre
- Mehrere folgende Konsonanten: Bratsche Kurzer Vokal:
- Keine Kennzeichnung: hat
- Verdopplung des folgenden Konsonanten: Matte
- Mehrere folgende Konsonanten: Matsch Aus einem A kann sich unter bestimmten Bedingungen ein Umlaut "ä" bilden.
- hat
- hätte
- Haus
- Häuser Abgeleitete Zwielaute (Diphthonge) sind:
- au (Haut)
- äu (Häute)

Herkunft

Die aus dem proto-semitischen Alphabet stammende Urform des Buchstaben ist wahrscheinlich der Kopf eines Ochsen. Die Phönizier gaben diesem Buchstaben den Namen Aleph (Ochse). Im phönizischen Alphabet im 9. Jahrhundert v. Chr. war das Schriftzeichen bereits stark stilisiert, die Hörner des Ochsen wurden durch zwei Striche nach rechts angedeutet. Der Lautwert des Aleph bei den Phöniziern war der Knacklaut []. Bereits bei den Phöniziern hatte Aleph die erste Stelle im Alphabet inne. Als die Griechen das Phönizische Alphabet übernahmen, drehten sie das Zeichen um 90 Grad und machten daraus das Alpha. Da das Griechische reich an Vokalen war, verwendeten sie das Zeichen für den Lautwert []. Die Etrusker übernahmen das frühgriechische Alpha und ließen es größtenteils unverändert. Lediglich zur besseren Schreibung (von rechts nach links) versahen sie das Zeichen mit einem Abschwung nach links. Als die Römer das lateinische Alphabet schufen, verwendeten sie das A aus dem etruskischen Alphabet, der Lautwert ist ebenfalls seit den Griechen beibehalten worden.

Bedeutungen

A steht
- in der Mathematik
  - wird a gerne als erste Variable genutzt.
  - bezeichnet A das Formelzeichen für die Fläche einer geometrischen Figur.
  - In einem Zahlensystem mit einer Basis größer als 10 steht A oder a häufig für den dezimalen Wert 10, siehe auch Hexadezimalsystem.
  - steht das Symbol \forall (ein auf den Kopf gestelltes A) für den Allquantor „für alle Elemente gilt“.
  - ist das römische Zahlzeichen für 5000.
- in der Physik
  - steht a für ein Jahr
  - bezeichnet a die Temperaturleitfähigkeit
  - bezeichnet a die physikalische Größe der Beschleunigung
  - bezeichnet A das Vektorpotenzial und das Viererpotenzial in der Elektrodynamik
  - bezeichnet A die physikalische Größe Arbeit (selten, W für "work" ist häufiger)
  - bezeichnet A die Baryonen- oder Massenzahl
  - bezeichnet A die Aktivität
  - kann A die nicht-SI-Einheit Ångström bezeichnen, sofern der schwedische Buchstabe „Å“ nicht verfügbar ist
- im SI-Einheitensystem
  - ist a die Abkürzung für die Vorsilbe Atto
  - ist A das Einheitensymbol der elektrischen Stromstärke Ampere
- andere Maßeinheiten
  - a ist die Abkürzung für das Flächenmaß Ar
- in der Biologie
  - steht A für das Nukleosid Adenosin
  - steht A die Base Adenin
  - steht A für die Aminosäure Alanin
  - steht A als Abkürzung für Arterie
- in der Musik
  - steht a für den Kammerton a’ und mehrere Töne im Oktavabstand dazu (siehe Tonsystem).
  - bezeichnet A die Tonart A-Dur,
  - bezeichnet a die Tonart a-Moll.
  - bezeichnet a den Ringfinger der Zupfhand beim Fingersatz für Gitarre
- in der Numismatik steht der Kennbuchstabe A
  - auf preußischen Münzen seit 1750 für Berlin.
  - auf österreichischen Münzen von 1766 bis 1868 für Wien.
  - auf französischen Münzen seit 1539 für Paris.
  - auf Münzen aus Monfort von 1703 bis 1717 für Langenargen.
  - bei bayerischen Münzen von 1763 bis 1794 für die Amberger Münze.
  - im Königreich Hannover im 19. Jh. für die Münze Clausthal.
  - bei mexikanischen Münzen für die Münzstätte Alamos.
- als Kfz-Kennzeichen steht A
  - in Deutschland für Augsburg.
  - in Österreich auf Fahrzeugen des Bundespräsidenten, Nationalratspräsidenten, Bundeskanzlers, von Ministern, Gerichtshofpräsidenten etc..
  - in der Schweiz für Administration.
  - in Spanien für die Provinz Almería.
  - als Nationalitätszeichen für Österreich (Austria).
- im Eishockey
  - steht das A, neben dem C für den Captain (Kapitän) für einen wertvollen Spieler und wird jeweils an zwei Spieler vergeben. Diese tragen es dann auf der linken Brustseite ihrer Spielkleidung.

Fremdwörter

A hat in verschiedenen Sprachen als Wort eine Bedeutung. Im Griechischen hat die Vorsilbe a- bzw. an-, wenn der darauffolgende Buchstabe ein Vokal ist, eine verneinende Bedeutung. Im Englischen und auch in deutschen Dialekten heißt a bzw. an, wenn der erste Buchstabe des folgenden Wortes als Vokal gesprochen wird „ein/eine“. Auf Französisch bedeutet à „je/je zu“. In der portugiesischen Sprache heißt es „die“ oder „sie“. Im Russischen heißt es "aber".

Weblinks


- [http://www.wam.umd.edu/~rfradkin/alphapage.html "Evolution of Alphabets" (engl.)] Siehe auch: Abkürzung, Akronym, beginnend mit dem Buchstaben A oder a
- @, ein aus dem Buchstaben a entstandenes Zeichen
- Funkalphabet Kategorie:Abkürzung Kategorie:Schriftzeichen als:A ja:A ko:A simple:A

Lateinisches Alphabet

Das lateinische Alphabet wurde von der lateinischen Sprache auf viele romanische, germanische, slawische, finno-ugrische und weitere Sprachen übertragen und ist das am weitesten verbreitete Alphabet der Welt. Das lateinische Alphabet wird vorwiegend in christlichen Ländern verwendet. Das lateinische Alphabet wurde, über Vermittlung der Etrusker, aus dem westgriechischen Alphabet entlehnt. Es bestand ursprünglich aus 20 Buchstaben: A B C D E F H I K L M N O P Q R S T V X. Anfangs wurde C für den stimmlosen (/k/) und den stimmhaften (/g/) Velar verwendet. Das zeigen noch die Abkürzungen C. für Gaius und Cn. für Gnaeus und inschriftliche Formen wie CRATIA. Später wurde durch Hinzusetzen eines diakritischen Striches unterschieden: C = /k/, G = /g/. In augusteischer Zeit wurden zur Wiedergabe griechischer Fremdwörter und Eigennamen die Buchstaben Y und Z eingeführt: ζώνη zona (Gürtel, Zone), κύκλος cyclus (Kreis, Zyklus). Die Römer verwendeten die Buchstaben I und V sowohl als Vokal ([i] bzw. [u]), als auch als Halbvokal/Konsonant ([j] bzw. [v], Lautwert etwa wie das W in engl. water). Erst im Mittelalter wurde dies auch in der Schrift durch die Buchstaben J und U unterschieden. Noch jünger ist der aus einer Ligatur von zwei V entstandene Buchstabe W (daher sein englischer Name "double u"). Damit war jenes Alphabet, das man heute unter dem Begriff lateinisches Alphabet versteht, komplett. Es besteht aus folgenden 26 Buchstaben: : A, B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, U, V, W, X, Y, Z. : a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r, s, t, u, v, w, x, y, z. Im Deutschen Alphabet kommen noch die Buchstaben Ä ä, Ö ö und Ü ü, sowie - außer in der Schweiz und Liechtenstein - der Kleinbuchstabe ß hinzu. Eine Umschrift anderer Alphabete in das lateinische Alphabet nennt man Latinisierung. Die Römer kannten nur Großbuchstaben (Majuskel). Erst in der Spätantike und im Frühmittelalter entstanden die Kleinbuchstaben (Minuskel, Gemeine).

Diakriten, Ligaturen, Variationen

Latinisierung In zahlreichen Sprachen wurde das lateinische Alphabet um diakritische Zeichen ergänzt (z.B. å, é, ï, ò, û), um weitere sprachspezifische Laute darstellen zu können. Am extremsten geht dabei das Vietnamesische vor, das wie das Türkische erst spät ein neues Alphabet erhielt. Daneben wurden Buchstabenkombinationen entwickelt (wie ch, sch, th, ng, sz), aus denen im Laufe der Zeit auch Ligaturen werden konnten, die später dann oft zu selbständigen Buchstaben wurden (wie W aus VV im Spätlateinischen, Englischen, Deutschen und Polnischen, æ aus a und e im Dänischen, Norwegischen und Isländischen oder ß aus langem s (ſ) und rundem s (s) bzw. im Deutschen zusätzlich aus ſ und z). Außerdem entstanden neue Buchstaben, indem Buchstaben in ihrer Form differenziert wurden. Aus ursprünglichen Varianten (Allografen) eines Buchstabens wurden eigenständige Buchstaben (im klassischen Latein schon G in Unterscheidung zu C, im späteren Latein j neben i und u neben v). Darüber hinaus wurde das lateinische Alphabet auch durch Buchstaben aus anderen Alphabeten ergänzt (zu Zeiten des klassischen Lateins gelangten so Y und Z aus dem Griechischen ans Ende des lateinischen Alphabets, im Isländischen wurden der Buchstabe Þ (Thorn) aus dem Runenalphabet übernommen). Siehe auch: Liste lateinisch-basierter Alphabete, Beghilos

Aussprache

Die Aussprache der einzelnen Buchstaben hat sich schon innerhalb des römischen Reiches gewandelt (Lautverschiebung) und unterscheidet sich auch heute mehr oder weniger von einer Sprache zur anderen. Auch das internationale phonetische Alphabet(IPA) basiert zum Großteil auf dem lateinischen Alphabet (wobei eine Variante des lateinischen Alphabets, das pannigerianische Alphabet, wiederum Zeichen aus dem IPA übernommen hat).

Literatur


- Carl Faulmann: Das Buch der Schrift, enthaltend die Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und aller Völker des Erdkreises (1878, aktuell in Nachdrucken erhältlich)
- Harald Haarmann: Geschichte der Schrift. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47998-7
- Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift. Campus Verlag, Frankfurt/Main; New York 1990, ISBN 3-593-34346-0
- Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. 1987(Reprint). ISBN 3326002327

Weblinks

Unicode Code Charts (PDF):
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0000.pdf Basic Latin]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0080.pdf Latin-1 Supplement]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0100.pdf Latin Extended-A]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0180.pdf Latin Extended-B]
- [http://www.unicode.org/charts/PDF/U1E00.pdf Latin Extended Additional] Kategorie:Alphabet als:Lateinisches Alphabet ja:ラテン文字 ko:로마 문자 th:อักษรละติน zh-min-nan:Lô-má-jī

Vokal

Ein Selbstlaut oder Vokal (v. lat.: vocalis [littera] „tönender Buchstabe“; zu voxStimme)“ ist ein Laut, bei dessen Artikulation der Phonationsstrom weitgehend ungehindert ausströmen kann. Vokale sind stimmhaft. Zur Darstellung aller Vokale wird das Vokaldreieck oder Vokaltrapez benutzt. In ihm sind die Vokale nach ihrer Bildung im Mundraum von "offen" (beispielsweise "a") nach geschlossen (beispielsweise "i", "u") angeordnet, und werden unabhängig davon in vorne ("e", "i") oder hinten ("o", "u") im Mundraum entstehend unterteilt. Neben den dem Deutschen bekannten Vokalen ("a", "e", "i", "o" und "u") treten auch die Umlaute "ö" und "ü" (sie entsprechen den Vokalen "e" und "i" mit zusätzlich gerundeten Lippen) und die Diphthonge ("ei", "ai", "eu", "äu") im Vokaltrapez auf. Grundsätzlich kann jeder Vokal entweder gerundet oder ungerundet gebildet werden, was eine Änderung der Lautqualität herbeiführt. Vokale werden in vielen Sprachen nach ihrer Länge (Vokalquantität) in kurze oder lange Vokale unterteilt. Im Deutschen unterscheidet man aber auch hinsichtlich der Vokalqualität zwischen offenen (auch. ungespannten) und geschlossenen (auch: gespannten) Vokalen. Beide Merkmale treten in der Regel gemeinsam auf und sind bedeutungsunterscheidend: den Buchstaben a, e, i, o, u, ä, ö und ü entspricht jeweils ein kurzer, offener und ein langer, geschlossener Vokal, wobei kurzes, offenes e und kurzes, offenes ä in den meisten Varietäten des Deutschen zusammenfallen und gleichlautend sind ("Lerche" und "Lärche"). Somit hat die deutsche Sprache 15 vokalische Foneme, beziehungsweise wenn man auch dem Schwa (e in , ) Phonemstatus zubilligt, 16 Vokalphoneme (nicht mitgezählt Vokale aus anderen Sprachen, bei denen man streiten kann, ob sie inzwischen schon Phonemstatus im Deutschen haben: nasaliertes ä, a, ö und o wie in , , und , langes offenes o und ö wie in und <Œuvre>).

Abgrenzung zu den Konsonanten

Klassifiziert man Laute lediglich nach ihrer Artikulationsart, dann unterscheiden sich Vokale von Konsonanten einzig und allein dadurch, dass der Phonationsstrom bei Vokalen ungehindert durch das Ansatzrohr strömt. Eine andere Möglichkeit ist die Klassifizierung nach akustischen Kriterien, d.h. nach ihrer Sonorität(Stimmhaftigkeit) bzw. ihrer Schallfülle. Danach sind Konsonanten Geräusche ohne Sonorität, während es sich bei Vokalen und einigen Konsonanten wie beispielsweise l, m, n, ng, b, d, g, w, s, j oder r um Klänge handelt. Sie sind sonorant (stimmhaft). Sonorität bzw. Schallfülle ist eine wichtige Eigenschaft hinsichtlich der Funktion eines Lautes als Silbenträger: je sonorer ein Laut ist, desto deutlicher hebt er sich von den anderen ihn umgebenden Lauten ab. Sonorante Laute können deshalb Silbenträger sein. In einigen Sprachen nehmen l, m, n, ng, aber auch r, beispielsweise l und r im Tschechischen und Kroatischen (Ort , Insel ), silbischen Charakter an und tragen den Hauptton. Auch im Deutschen kommen die Laute l, m, n, ng silbisch vor, allerdings nur in unbetonter Silbe, so in der Standardaussprache bei den Endungen -em, -en und -el/-l nach Konsonanten (silbisches m: , , n: , ng: , l: , ).

Formanten

Formant] Nach der Form der Schallwelle gehören Vokale also, im Gegensatz zu den meisten Konsonanten, zu den Klängen. Vokale haben einen Primärklang. Dieser besteht aus einem Grundton, der von Obertönen überlagert wird. Der Grundton hat die niedrigste Frequenz. Die Obertöne sind immer ganzzahlige Vielfache des Grundtons, d.h. wenn man den Grundton ändert, dann ändern sich auch immer die Obertöne. Im Ansatzrohr, d.h. in der Stimmritze, im Larynx- und Pharynxraum und im Mund- und Nasenraum, erfahren einige Töne eine Verstärkung ihrer Resonanz, so dass sie gegenüber den anderen Teiltönen dominanter werden. Diese resonanzverstärkten Teiltöne heißen Formanten. Bei Vokalen kann man 4 bis 5 Formanten nachweisen: F1 und F2 (bei Vokalen die im vorderen Zungenbereich gebildet werden) sind für die Identifizierung der Vokale verantwortlich. Sie entscheiden also darüber, ob wir beispielsweise ein [] oder ein [] hervorbringen.

Vokalbuchstabe

Es werden unter Vokalen gemeinhin auch die Buchstaben verstanden, die derartige Laute repräsentieren. Um der verbreiteten Verwechslung beziehungsweise Gleichsetzung von Lauten und Buchstaben vorzubeugen, ist es sinnvoll, den Begriff Vokalbuchstaben zu verwenden. Linguistisch korrekt sind die Begriffe Vokalgrafeme beziehungsweise Kerngrafeme (Grafeme, die für den Silbenkern, nicht den Silbenrand verwandt werden, so beispielsweise in der Grammatik der deutschen Sprache, Berlin 1997, Bd. 1, vergleiche S. 246ff). Im Deutschen sind dies A, Ä, E, I, O, Ö, U, Ü, Y, (É). (Auch das Ypsilon muss als Vokalbuchstabe gewertet werden. Es kann zwar unter bestimmten Bedingungen, wie beispielsweise auch I und U in , , , , , einen unsilbischen beziehungsweise konsonantischen Laut wiedergeben, beispielsweise in , . Die grundlegende Aussprache des Buchstabens Y entspricht jedoch im Deutschen der des Vokalbuchstabens Ü, beispielsweise , , , .) Die Vokalbuchstaben Ä, Ö, Ü können auch (von ihrer grammatischen Funktion her) als Umlautbuchstaben bezeichnet werden. Auch der häufig in Wörtern aus dem Französischen anzutreffende Buchstabe É lässt sich durchaus hinzuzählen (im Deutschen als Variante zu am Wortende gebraucht), da er auch in Wortschreibungen anzutreffen ist, die ansonsten eingedeutscht sind (vergleiche deutsch oder , frz. aber ). Die Vokalbuchstaben stehen den Konsonantenbuchstaben (Konsonantengrafemen/Randgrafemen) B, C, D, F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q, R, S, ß, T, V, W, X, Z gegenüber.

Siehe auch


- Vokaltrapez, Konsonant, Alphabet, Formant, Klangfarbe, Monophthong, Diphthong, Approximant, Halbvokal ! ja:母音 ko:홀소리 roa-rup:Vocală

Morsealphabet

Der Morsecode bzw. -kode ist ein Verfahren zur Übermittlung von Buchstaben und Zeichen. Dabei wird ein konstantes Signal ein- oder ausgeschaltet. Der Code kann als Tonsignal, als Funksignal, als elektrischer Puls über eine Telefonleitung, mechanisch oder optisch (etwa mit blinkendem Licht) oder mit sonst einem Medium, mit dem es möglich ist, zwei verschiedene Zustände (Ton oder kein Ton) eindeutig darzustellen, übertragen werden. Man spricht auch von Morsetelegrafie.

Geschichte

Nachdem Samuel Morse 1833 den ersten brauchbaren elektromagnetischen Schreibtelegrafen gebaut hatte, fand der erste Testbetrieb 1837 statt. Der verwendete Code umfasste damals nur die zehn Ziffern; die übertragenen Zahlen mussten mit Hilfe einer Tabelle in Buchstaben und Wörter übersetzt werden. Alfred Lewis Vail, ein Mitarbeiter Morses, entwickelte ab 1838 den ersten Code, der auch Buchstaben umfasste, er bestand aus Zeichen von drei verschiedenen Längen und unterschiedlich langen Pausen. Dieser Code wird ab 1844 betrieblich eingesetzt (als »Morse Landline Code« oder »American Morse Code« bei amerikanischen Eisenbahnen und den Telegrafenunternehmen bis in die 1960er). Die unterschiedlich langen Pausen stellten eine Unzulänglichkeit des Codes dar, so dass Friedrich Clemens Gerke ihn 1848 zur Inbetriebnahme der elektromagnetischen Telegrafenverbindung zwischen Hamburg und Cuxhaven umschrieb. Dieser Code wurde nach einigen weiteren kleinen Änderungen 1865 auf dem Internationalen Telegraphenkongress 1865 in Paris standardisiert und später mit der Einführung der drahtlosen Telegrafie als Internationaler Morsecode von der International Telecommunication Union (ITU) genormt. Der Morsecode wurde mit der Einführung von Fernschreibern aus den Telegrafennetzen verdrängt. Im Funkbetrieb behielt er auf Grund seiner Einfachheit lange Zeit Bedeutung, bis er auch hier nach und nach durch andere Verfahren ersetzt wurde. Ein großes Einsatzfeld hatte er noch im Seefunkverkehr, bis er dort mit Einführung des weltweiten Seenot- und Sicherheitsfunksystem GMDSS zum 1. Februar 1999 seine Bedeutung verlor. Eingesetzt wird er noch im Amateurfunk, wo Morsekenntnisse noch bis 2003 vorgeschrieben waren, um am Funkbetrieb auf Kurzwellenfrequenzen unterhalb 30 MHz teilzunehmen. Heute findet man den Morsecode nur noch zu Unterrichtszwecken bei angehenden Fernmeldetechnikern und beispielsweise in verschiedenen Melodien:
- Die Erkennungsmelodie der ZDF-Nachrichten enthält den Code für „heute“ (···· · ··− − ·);
- das Ende-Signal des Wetterberichts bei der ARD-Tagesschau den Code für QAM („Wie wird das Wetter?“) (−−·− ·− −−);
- der typische SMS-Signalton bei Nokia-Handys entspricht dem Code für „SMS“ (··· −− ···). Geübte Funker können oft Geschwindigkeiten von 300 Buchstaben pro Minute direkt verstehen und auch geben (s.u.). Morsecodes werden heute noch in der Fliegerei verwendet, um VOR (siehe Funkfeuer) zu identifizieren. Diese senden neben dem eigentlichen Navigationssignal auch ein hörbares Morsesignal aus, das aus der 3-Buchstaben-Kennung des Funkfeuers besteht. So sendet z. B. das VOR Barmen seine Kennung BAM (−··· ·− −−).

Internationaler Morsecode

Da der Morsecode nur ein einfaches stetiges (unmoduliertes) Signal als Basis verwendet, benötigt er weniger Hardware zum Senden und Empfangen als andere Formen der Funkkommunikation, kann auch bei einem sehr ungünstigen Signal-Rausch-Verhältnis noch arbeiten und benötigt nur geringe Bandbreite und Sendeleistung.

Zeitschema und Darstellung

Der Code verwendet drei Symbole, die Punkt, Strich und Pause genannt werden, oder in Lautform: dit, dah und Schweigen. Die Länge eines dit bestimmt die Geschwindigkeit, mit der gesendet werden kann und ist die grundlegende Zeiteinheit. Dazu ein Beispiel: -- --- ·-· ··· · / -·-· --- -·· · M O R S E (space) C O D E Hier stellt ein '–' ein dah dar und '·' repräsentiert ein dit. Dies ist eine schematische Darstellung. Will man die zeitliche Einteilung genauer angeben, so muss man wissen, dass folgendes gilt:
- ein dah ist üblicherweise dreimal so lang wie ein dit,
- die Pause zwischen zwei gesendeten Symbolen ist ein dit lang,
- zwischen Buchstaben in einem Wort wird eine Pause von dah (= 3 dit) Dauer eingeschoben, und
- zwischen Wörtern wird eine Pause von sieben dits gemacht. Daraus ergibt sich dann dieses Zeitschema (ein „=“ bedeutet Signal an, „.“ bedeutet Signal aus):

.

...

.

.

...=.

.=...=.=.=...=.......

.=.

.=...

.

.

...

.=.=...= ^ ^ ^ ^ ^ | dah dit | Wortabstand Symbolabstand Buchstabenabstand Wenn man Morsecode »sprechen« will, verwendet man im allgemeinen auch hier die dahdidahdit-Sprechweise: Aus – – – – – ·–· ··· · / –·–· – – – –·· · wird dann DahDah DahDahDah DiDahDit DiDiDit Dit, DahDiDahDit DahDahDah DahDiDit Dit.

Standard-Codetabelle

Siehe auch: Morseschrift, Morse-Merkregel Hier ist eine Tabelle mit dem vollständigen Alphabet und anderen gebräuchlichen Zeichen. Es gibt im Morsealphabet keine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben. Die "Null" wird im handschriftlichen zur Unterscheidung durchgestrichen (wie das Zeichen für Durchschnitt).

Q-Gruppen

Durch die Verwendung der sog. Q-Gruppen (Q-Code) wurde die Übertragung beschleunigt. Auch sind dadurch internationale QSOs möglich, ohne dass man die jeweilige Sprache versteht.

SOS

Seit 1904 benutzten Funker der Firma Marconi das Kürzel CQD (CQ ausgesprochen als "Seek you", was soviel wie „an alle“ heißt und D für Distress) als Notrufzeichen. Als umgangssprachliche Auslegung und Eselsbrücke wurde dies als „Come quick – Danger!“ (wörtlich: „Kommt schnell – Gefahr!“) („An Alle: Gefahr!“) interpretiert. Zu der Zeit herrschte eine Konkurrenzsituation der Funksystemehersteller und Monopolisten Marconi und Telefunken. So war es den Schiffsfunkern nicht erlaubt, Funk- und sogar Notrufe von Schiffen mit dem jeweils anderen System anzunehmen. Um diesen Zustand zu beenden wurde auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin am 3. Oktober 1906 SOS (drei kurz, drei lang, drei kurz: ···−−−···) als internationales Notrufzeichen festgelegt. SOS war einprägsam und auch für ungeübte Funker leicht aus anderen Signalen herauszuhören. Der SOS-Ruf besteht nicht aus drei Einzelbuchstaben, wie meist angenommen wird. Vielmehr wird der SOS-Code in einem gesendet, d.h. es werden keine Zeichenpausen zwischen den Buchstaben gemacht: ···−−−··· und nicht ··· −−− ···. Die Bedeutung von SOS als Abkürzung für Save our Souls oder Save Our Ship („Rettet unsere Seelen” oder „Rettet unser Schiff”) wurden erst später in das Signal hineininterpretiert. Das erste Mal wurde SOS von dem Passagierschiff Slavonia am 10. Juni 1909 gesendet, als sie vor den Azoren Schiffbruch erlitt. Der Untergang der Titanic – dessen Funker sandte zunächst CQD und nach dem Hinweis eines Kollegen auch SOS aus - zeigte, dass neben einem einheitlichen Signal und einer Standardnotruffrequenz auch ein regelmäßiges Abhören dieser Frequenz notwendig war. Denn bei einem Schiff in der unmittelbaren Nähe der Untergangsstelle, war die Funkstation zur Unglückszeit nicht besetzt. So wurde es 1912 Vorschrift, die Notruffrequenzen mindestens alle halbe Stunde abzuhören. Analog dazu legte man sich bei Einführung des Sprechfunkes auf den Notruf „Mayday” fest. Hier war man offensichtlich überzeugt, dass dieses Wort im Falle von Gefahr und hilferufend hektisch ausgesprochen sich von normal gesprochenem Text deutlich abhebt.

@-Zeichen (Klammeraffe)

Das At-Zeichen (@), auf deutsch auch Klammeraffe genannt, wurde dem internationalen Morsealphabet erst im Mai 2004 von der International Telecommunications Union (ITU) hinzugefügt, damit kann man nun auch ohne inoffizielle Umwege E-Mail-Adressen morsen. Es wird als A ohne Pause gefolgt von C gegeben: ·--·-·. Dies ist die erste Aktualisierung des Morsecodes seit mindestens 60 Jahren und sie geschah anlässlich des 160-jährigen Bestehens. Quelle: [http://www.heise.de/newsticker/meldung/46611 [1]]; Englischsprachige Quellen: [http://www.cjonline.com/stories/021704/pag_morsecode.shtml [2]] und [http://slashdot.org/article.pl?sid=04/02/18/2350207 [3]])

Betriebstechnik

Siehe auch: Betriebstechnik (Amateurfunk) Bei einem allgemeinen Anruf wird anstatt des Rufzeichens des Gerufenen ein "CQ" ("see kju" ⇒ "seek you", "suche dich") gegeben. Anruf (Beispiel): < cq de da0rc cq de da0rc cq de da0rc > da0rc de db1sd pse k < db1sd de da0rc KA name anton qth baunatal ... (und so weiter)

Übertragungsrate

Die Übertragungsrate beim Morsen wird in Wörtern pro Minute (WPM) gemessen. Als Standardwort dient PARIS. Es besteht aus 50 dits (s. o., Beispiel: das E besteht aus zwei dits: Punkt + Pause). Je höher die Übertragungsrate, desto kürzer die dits. 1 WPM entspricht 50 dits, folglich: 1 dit = 60000/(50·WPM) ms 1 WPM: 1 dit= 1200 ms 5 WPM: 1 dit= 240 ms 10 WPM: 1 dit= 120 ms 20 WPM: 1 dit= 60 ms Anfänger kommen kaum über 5 WPM hinaus. Das liegt daran, dass Buchstaben und Zeichen nicht als Einheit wahrgenommen werden, vergleichbar einem Lese-Anfänger, der sich die Wortbedeutungen mühsam über den Klang einzelner Buchstaben erschließt. Die Prüfungsgeschwindigkeit für Funkamateure betrug 12 WPM. Mit viel Übung überschreitet man die 20 WPM-Marke, sehr gute Funker schaffen 40 WPM. Der Weltrekord beim Morsen liegt bei 75,1 WpM (375,5 Buchstaben pro Minute). Zum Vergleich: ein Nachrichtensprecher übermittelt 100-200 Wörter pro Minute, eine ISDN-Datenleitung ca. 50 000 Wörter pro Minute. Der Wert von ca. 50 WPM entspricht der maximalen Verarbeitungskapazität des Menschen, die bei ca. 40 Bit/s liegt: 40 Bit/s

40 dit/s = 2400 dit/Min 

48 WPM.

Tonbeispiel

(20 WPM), Text und Code: AAA WIKIPEDIA DIE FREIE ENZYKLOPAEDIE AR ·- ·- ·- ·-- ·· -·- ·· ·--· · -·· ·· ·- -·· ·· · ··-· ·-· · ·· · · -· --·· -·-- -·- ·-·· --- ·--· ·- · -·· ·· · ·- ·-·

Siehe auch


- ASCII
- Unicode
- Baudot-Code
- Betriebstechnik (Amateurfunk)

Literatur


- OKW: Vorschrift H.Dv. 426, L.Dv. 407 - Anleitung für die Ausbildung im Morsen - 1941
- [http://www.agcw.org/files/pierpont.pdf "Die Kunst der Radiotelegrafie"], Originaltitel: "The Art & Skill of Radio-Telegraphie", Ein Handbuch rund um die Telegrafie von William G. Pierpont, N0HFF, (dritte überarbeitete Auflage, Juli 2001). Dieses Buch darf frei verbreitet werden (siehe Vorwort).

Weblinks


- [http://www.nlcrew.de/waas/morsen Waas' Morser] Flash-Programm zum Morsen mit Sound und Umwandlung
- [http://justlearnmorsecode.com Just Learn Morse Code]
- [http://www.saschaseidel.de/html/programmierung/download_Morsen_mit_Pascal.php Morseprogramm] zum Umwandeln und akustischen Ausgeben von Texten (mit Object Pascal Quellcode)
- http://www.qsl.net/dk5ke/ -- Umfangreiche Telegrafie - Homepage mit/über Bauanleitungen, Betrieb, Downloads, Forum, Geschichte, Lernen, Morsetasten, Praxis, Rätsel, Telegrafieprüfung (deutsch)
- http://c2.com/morse/ -- Morselernprogramm für Linux, Windows, Macintosh und Dos (englisch)
- http://www.wienbruegge.de/jmorse.htm -- Texte in Morsecode übersetzen und hörbar abspielen (benötigt Java)
- http://www.raes.ab.ca/bookmain -- Lesenswertes, sehr umfangreiches Buch über das Erlernen, die Bedeutung und die Geschichte des Morsecodes von William G. Pierpont (englisch)
- [http://www.qsl.net/dk5ke/misc.html Morse-Rekorde]
- http://atri.misericordia.edu/Papers/MorseVrsOnScreen.php -- Morsen als Computereingabe für Schwerstbehinderte
  - http://www.makoa.org/jlubin/morsecode.htm -- Computereingabe
  - http://morseall.org/ -- Morse code user interface (Linux)
- http://www.qsl.net/dk5ke/wort.html -- Merkwörter zum Erlernen des Morsecodes
- http://homepages.cwi.nl/~dik/english/codes/morse.html -- Morsecodes in anderen Schriftsystemen (englisch) Kategorie:Alphabet Kategorie:Nachrichtentechnik Kategorie:Seefunk ja:モールス信号

AAL

AAL ist eine Abkürzung für
- ATM Adaptation Layer in der Informatik.
- Absolute Assembly Language.
- IATA-Code für den Flughafen Aalborg in Dänemark.
- Altanwärterlehrgang der Bayerischen Polizei

Siehe auch:


- Aal Kategorie:Abkürzung

Sprache

Sprache hat zwei eng mit einander verwandte Verwendungen, die Sprache (ohne Plural) oder eine Sprache/Sprachen. Die Sprache bezeichnet die wichtigste Kommunikationsform des Menschen. Sie wird akustisch durch Schallwellen (Lautketten) oder visuell-räumlich durch Gebärden (vgl. Gebärdensprache) oder Schrift (vgl. Schriftsprache) realisiert. Die Wissenschaft von Sprache als System heißt Allgemeine Sprachwissenschaft. Exemplarisch sei die Definition von Edward Sapir (1921) zitiert: :"Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen." (zitiert nach John Lyons, 4. Auflage, 1992, S. 13) Ferdinand de Saussure hat - einer Tradition folgend - Sprache als Zeichensystem konzipiert und das Sprachzeichen als Verbindung von Lautbild und Vorstellung, also als etwas Mentales gefasst. Karl Bühler sieht Sprache als "geformtes Gerät", als Medium des Verständigungshandelns mit den Grundfunktionen der Darstellung (Bezug auf die Wirklichkeit), des Ausdrucks (Befindlichkeit des Sprechers) und des Appells (Beeinflussung des Hörers). Damit wird die Auffassung von Sprache als Zeichensystem fraglich, denn nur symbolische Ausdrücke lassen sich als Zeichen im eigentlichen Sinn ("etwas steht für etwas") auffassen. Wofür steht der Artikel der, die Abtönungspartikel halt, das Zeigwort da, die Interjektion hm? Für die Pragmatik ist Sprache ein zweckorientiertes Handlungssystem, das mental verankert ist. Für manche Linguisten ist Sprache ein menschentypisches biologisches Organ (Noam Chomsky), für andere das Medium der Gedankenbildung schlechthin (W.v. Humboldt). Eine Sprache ist jedes einzelne Kommunikationssystem, das der Verständigung dient, also menschliche Einzelsprachen (beispielsweise Deutsch), Fachsprachen (beispielsweise Mathematik und Rechtssprache), Computersprachen (beispielsweise Prolog) etc. (siehe nachstehende Unterkapitel). Die Wissenschaften einzelner Sprachen sind beispielsweise die Philologien (Anglistik, Germanistik). Die Linguistik dagegen beschäftigt sich mit einzelnen Sprachen lediglich als "Beleg" für Theorien über die Sprache im Allgemeinen, die universellen Eigenschaften menschlicher Sprache und die Haupttypen der Sprachen der Welt (Sprachtypologie).

Entwicklung von Sprache

Das Verstehen und das Bilden bedeutungsvoller Lautketten in Echtzeit stellt große Anforderungen an die Planung wie an die auditive beziehungsweise visuelle Verarbeitung im Gehirn. Bei Legasthenikern oder Polterern kann diese Planung gestört sein.

Linguistik

Die Linguistik untersucht die menschliche Sprache. Die vergleichende Sprachwissenschaft und die Sprachtypologie befassen sich mit der genetischen Verwandtschaft von Sprachen, die in Sprachfamilien geordnet werden können. Die meisten Sprachwissenschaftler behandeln Einzelsprachen oder Sprachfamilien. So befasst sich beispielsweise die Indogermanistik mit der indogermanischen Sprachfamilie. Annahmen über eine (Ursprache) der Menschheit sind vorwiegend spekulativ, hiermit befasst sich die Paläolinguistik. Die Struktur und Verwendung von Sprachen wird in Grammatiken, der Wortschatz und Wortgebrauch in Wörterbüchern beschrieben. Die Etymologie ist eine Forschungsrichtung, die sich mit dem Ursprung und der Geschichte der Worte und Namen befasst. Formale Sprachen sind mit Mitteln von Logik und Mengenlehre beschreibbar (aufzählbare Menge der Basisausdrücke, Regeln der Komposition, wohlgeformte Ausdrücke). Die Beschreibungsprinzipien der formalen Logik werden auch auf die natürliche Sprache angewendet; Pionierarbeit hat dazu der amerikanische Logiker Richard Montague geleistet. Eine vollständige Rekonstruktion ist allerdings nicht möglich. Denn auch die Logik ist aus der natürlichen Sprache abgeleitet. Letztlich müssen wir alles in der natürlichen Sprache austragen (Wittgenstein). Zu den Disziplinen, die sich besonders intensiv mit Sprache auseinandersetzen, gehören auch die Rhetorik, die Literaturwissenschaft, die Sprachphilosophie und die Ethnologie.

Einzelsprache

Im speziellen Sinn bezeichnet Sprache eine bestimmte Einzelsprache wie Deutsch oder Japanisch. Die gesprochenen Sprachen der Menschheit werden in Sprachfamilien eingeteilt; anhand der Language Codes (nach ISO 639-1 beziehungsweise 639-2) können Sprachen international eindeutig identifiziert werden. Von den heute etwa 6500 auf der Welt gesprochenen Sprachen sind mehr als die Hälfte vom Aussterben bedroht, da sie kaum noch oder gar nicht mehr an Kinder weitergegeben werden. Von einigen Sprachen gibt es nur noch eine kleine Gruppe oft alter Muttersprachler. Dies wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass in den nächsten 100 Jahren Tausende von Sprachen verschwinden werden. Die Gesellschaft für bedrohte Sprachen unterstützt die Beschäftigung mit und die Dokumentation solcher Sprachen, die zum Erbe der Menschheit zählen und sich zum Teil durch ganz besondere Eigenschaften auszeichnen, die nur an ihnen zu studieren sind. Eine Sprache ist etwas Lebendiges, das entsteht, sich dauernd verändert und wieder vergeht - jedoch nicht im biologischen, sondern im übertragenen Sinne; Lebendigkeit steht hier für eine Vielfalt von Funktionen. Nicht mehr gebrauchte, auch tote Sprachen genannt, hinterlassen oftmals Spuren in Nachfolgesprachen; beispielsweise Latein in den romanischen Sprachen (Italienisch, Französisch etc.), aber auch in der englischen und deutschen Sprache sowie den anderen germanischen Sprachen.

Nichtmenschliche Sprachen

Sprachen bei Tieren, beispielsweise die Bienensprache, aber auch die Lautsprachen bei Vögeln, Delfinen oder Primaten unterscheiden sich grundsätzlich von denen des Menschen. Während in den Signalsystemen der Tiere jeder Laut eine feste Bedeutung hat, ist die Sprache des Menschen doppelt (beziehungsweise dreifach) gegliedert. Das heißt, Menschen können aus bedeutungsunterscheidenden, selbst nichts bedeutenden Lauten (erste Gliederungsebene) bedeutungstragende Einheiten (Morpheme, Wortformen) bilden (zweite Gliederungsebene). Aus Wortformen können Wortgruppen (Phrasen) und Sätze aufgebaut werden (dritte Ebene). Wenn ein Tier zwanzig Laute bilden kann, so kann es zwanzig Dinge ausdrücken. In der Sprache des Menschen gibt es durch die Ebenen unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten mit begrenzten Mitteln, so schon Wilhelm von Humboldt. Der Mensch kann verstehen, was er zuvor nie gehört hat.

Formale Sprachen

Auch in der Informatik wird von Sprachen gesprochen. Diese Sprachen, Formale Sprachen genannt, sind mathematische Modelle von Sprachen, die besonders in der theoretischen Informatik, insbesondere bei Berechenbarkeitstheorie und dem Compilerbau Anwendung finden. Bestrebungen eine eindeutige und methodisch korrekte Sprache aufzubauen, haben zum Projekt der Orthosprache geführt.

Sprache als Medium

Viele Medientheorien – vor allem die technischen – fassen Sprache nicht als Medium, sondern als Kommunikationsinstrument auf, d.h. als neutrale Ermöglichungsbedingung für die eigentlichen Medien. Sprache dient solchen Auffassungen nach lediglich der Repräsentation oder auch Übermittlung mentaler Entitäten (Konzepte, Begriffe), wobei letztere als unabhängig von der Sprache gedacht werden. Man spricht deshalb von Repräsentationsmitteln. Die radikalste Form dieser „Sprachvergessenheit der Medientheorie“, wie Ludwig Jäger (2000) formuliert, findet sich im so genannten Diskurs über „postsymbolic communication“, der davon ausgeht, dass die menschliche Kognition und Kommunikation zukünftig nicht mehr auf Sprachzeichen angewiesen seien, weil diese aufgrund der technischen Entwicklungen im Bereich der Forschungen zur Künstlichen Intelligenz obsolet werden. Jäger (2000) zufolge bleiben Debatten über die Wirkungsmacht von „neuen Medien“, wie etwa Computer und Internet, jedoch leer, wenn Sprache nicht als entscheidendes Rahmenmedium erkannt wird. Er plädiert deshalb dafür, den nicht-technischen (anthropologischen) Medienbegriff stärker in den Diskurs über technische Medien einzubeziehen und so die schlichte Dichotomie zwischen „neuen Medien“ und „Sprache“ aufzuweichen. Jäger (2000/2002) formuliert eine erkenntnistheoretische Medienauffassung, deren Kernaussage lautet, dass Mentalität erst durch die Medialität ermöglicht wird. Das heißt die menschliche Mentalität wird in ihrem heutigen Umfang erst durch Zeichenhandlungsprozesse, die sowohl ein Welt- als auch Ich-Bewusstsein konstituieren, ermöglicht. Die Sprache nimmt hierbei eine konstitutive Rolle ein. Wird also Sprache als Medium begriffen, ist schon die menschliche Mentalität medial geprägt. Es ist daher stets von der Sprache her zu beurteilen, wie sich neue Medien auf den Menschen auswirken können (vgl. Jäger 2000/2002). Diese Konzeption kann durch die Überlegungen Sibylle Krämers (2000) unterstrichen werden. Krämer meint, dass eine Botschaft, die in einem Medium vermittelt wird, die Spur seiner formalen Konstitution bewahrt – in diesem Fall besitzt die Mentalität des Menschen die Spur seiner semiologischen Performanzen. D.h.: Wird eine Äußerung getätigt, findet keine Reinvermittlung mentaler Konzepte statt, da diese durch die jeweilige Einzelsprache geprägt sind. Weiter stellt Krämer (1998) Medien als Apparate zur künstlichen Erzeugung neuer Welten dar (d.h.: neue Formen der Erfahrung, Vorstellungen), die es ohne das entsprechende Medium nicht geben würde. Die Sprache ermöglicht dem homo sapiens sapiens so gesehen nichts Minderes als die komplexere Erfahrbarmachung der tatsächlichen Welt in der uns heute geläufigen Weise.

Sprache im weiteren Sinne

Manche Leute bezeichnen die Musik als universelle Sprache, da sie von Menschen unterschiedlichster Herkunft verstanden wird. Hierbei dient die Sprache vor allem als Kommunikationsmittel für Gefühle. So werden die meisten Filme mit Musik untermalt, weil dadurch unterschwellig die Gefühlslage der Situation bzw. der Figuren kommuniziert wird. In indischen Filmen geht das sogar soweit, dass die Handlung stehen bleibt und die Gefühle in Liedern ausgedrückt werden, was man bei uns nur aus dem Musical-Genre kennt. Hier stößt auf eine weitere Ebene der Sprache: Filme, Theaterstücke, Operetten usw. bedienen sich ebenfalls einer bestimmten Sprache. Die hier eingesetzten sprachlichen Mittel findet man im übertragenen Sinne auch in den Laut- und Schriftsprachen wieder.

Siehe auch

Abstandsprache, Amtssprache, analytische Philosophie, Ausbausprache, Babysprache, Dachsprache, Dialekt, Dichtersprache, Etymologie, Europäisches Jahr der Sprachen, Fachsprache, falsche Freunde, Geheimsprache, Gruppensprache, Halsbandsittich in vielen Sprachen, Hochsprache, inklusive Sprache, Jargon, Konstruierte Sprache, Lautsprache, Liste von Sprachen, Liturgiesprache, Mathematik, Medien, Medientheorie, Muttersprache, Neusprech, Orthosprache, Plansprache, Programmiersprache, Seemannssprache, Semiotik, Signalsprachen, Soziolekt, Spiegelneuronen, Standardsprache, Terminologie, Umgangssprache, Universal-Grammatik, Verkehrssprache, Weltsprache, Zeichen, Zungenbrecher, Sprachreisen, Sprachbildung

Literatur


- Ludwig Börne, "Bemerkungen über Sprache und Stil.", 1826, Sämtliche Schriften, Bd. II, Düsseldorf 1964.
- Karl Bühler (1934), Sprachtheorie, Stuttgart: G. Fischer
- Geoffrey Sampson: "Schools of Linguistics." Hutchinson, London (1980), ISBN 0804710848
- David Crystal: "Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache." Campus Verlag, Frankfurt/Main (1995), ISBN 3880599548
- Wilhelm von Humboldt: "Grundzüge des allgemeinen Sprachtypus", 2004, Berlin: Philo, ISBN 3-8257-0068-2
- John Lyons: "Die Sprache." C.H. Beck, München (1992; 4. Auflage) ISBN 3406094007
- Steven Pinker: "Words and Rules: The Ingredients of Language." (1999) (dt. Worte und Regeln: Die Natur der Sprache.), ISBN 3827402972)
- Ludger Hoffmann (Hg.)(2000/2) Sprachwissenschaft. Ein Reader. Berlin, New York: de Gruyter.
- Jäger, Ludwig (2000), „Die Sprachvergessenheit der Medientheorie. Ein Plädoyer für das Medium der Sprache.“ In: Kallmeyer, Werner (Hg.): Sprache und neue Medien. Berlin, New York: De Gruyter, 9-30
- Jäger, Ludwig (2002): Medialität und Mentalität. Die Sprache als Medium des Geistes. In: Krämer, Sybille, König, Ekkehard (Hgg.): Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? Frankfurt am Main: Suhrkamp, 45-76
- Krämer, Sybille (²2000): „Das Medium als Spur und als Apparat.“ In: dies. (Hg.): Medien, Computer, Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und neue Medien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 9-26

Weblinks


- [http://www.rosettaproject.org/ Rosetta-Projekt: Informationen zu Sprachen der Welt] (englisch)
- [http://www.ethnologue.com/ Ethnologue: Informationen zu Sprachen der Welt] (englisch)
- [http://www.vistawide.com/ Sprachen und Kulturen der Welt] (englisch)
- [http://portal.unesco.org/ UNESCO-Projekt:] "Intangible Heritage - [http://portal.unesco.org/culture/admin/ev.php?URL_ID=8270&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201 Endangered Languages]"
- [http://www.tooyoo.l.u-tokyo.ac.jp/Redbook/index.html UNESCO Red Book of Endangered Languages]
- [http://www.georgetown.edu/faculty/ballc/animals/animals.html Tierlaute in verschiedenen Sprachen] (englisch)
- [http://www.netz-tipp.de/sprachen.html Statistik: Verbreitung der Sprachen im Internet]
- [http://home.edo.uni-dortmund.de/~hoffmann/Gruende/10Gruende.html 10 Gründe, Sprachwissenschaft zu studieren]
- [http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/sprache.html Sprache als Gefängnis:] Vortrag im Rahmen der Reihe Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- [http://www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/771860 Es werde Wort - und zwar schnell!] Ein Bericht über die "rasante Entwicklung von Sprache"
- [http://www.bair-sprache-chiemgau.de/texte/pressetexte.htm#1 Etwa 90% aller Sprachen werden bis 2050 wahrscheinlich verschwunden sein] ([http://www.guardian.co.uk/uk_news/story/0,3604,721955,00.html Original auf Englisch]) ! ja:言語 ko:언어 ms:Bahasa simple:Language th:Hol zh-cn:语言 zh-tw:語言

Buchstabe

Ein Buchstabe ist ein Zeichen, das in einer menschlichen alphabetischen Schriftsprache Verwendung findet. Phoneme werden in Gestalt von Graphemen fixiert. Ein Alphabet ist die Gesamtheit der Buchstaben einer phonembasierten Schriftsprache.

Etymologie

Das Wort entstand wahrscheinlich aus den germanischen, zum Los bestimmten Runenstäbchen (
- bōks
). In Buchenstäbchen ritzten die Germanen ihre Runen. Diese wurden als Orakel für wichtige Entscheidungen benutzt. Von den kultisch wichtigen Buchen-Stäbchen leitet sich das Wort Buchstabe ab. Nach manchen Erklärungen auf den kräftigen Zentralstrich der Runen.

Buchstabieren

Beim Buchstabieren von schwierigen Wörtern oder Eigennamen, insbesondere bei Funk- und Fernsprechverbindungen, greift man zur Vermeidung von Falschübermittlungen auf das Hilfsmittel der Buchstabiertafel zurück. Dabei werden einzelne Buchstaben durch Wörter ersetzt, deren Anfangsbuchstabe für den genannten Buchstaben steht.

Schriftarten

Neben phonembasierten existieren auch so genannte Ideogramm-basierte Schriften (z.B. die asiatischen Schriftzeichen). Sie basieren auf Symbolen bzw. Piktogrammen und stellen ganze Wörter dar. Die Germanen nahmen die Zweige der Buche und legten damit ihre Runen. Daher stammt der Begriff "Buchstabe" -> Stab (Zweig) der Buche.

Siehe auch


- Buchstabenhäufigkeit
- Majuskel
- Minuskel
- Typografie
- Buch

Weblinks


- [http://www.typolexikon.de/b/buchstabe.html Wolfgang Beinert: Der lateinische Buchstabe] Kategorie:Schriftzeichen Kategorie:Schreibtechnik als:Buchstabe

Vokale

Ein Selbstlaut oder Vokal (v. lat.: vocalis [littera] „tönender Buchstabe“; zu voxStimme)“ ist ein Laut, bei dessen Artikulation der Phonationsstrom weitgehend ungehindert ausströmen kann. Vokale sind stimmhaft. Zur Darstellung aller Vokale wird das Vokaldreieck oder Vokaltrapez benutzt. In ihm sind die Vokale nach ihrer Bildung im Mundraum von "offen" (beispielsweise "a") nach geschlossen (beispielsweise "i", "u") angeordnet, und werden unabhängig davon in vorne ("e", "i") oder hinten ("o", "u") im Mundraum entstehend unterteilt. Neben den dem Deutschen bekannten Vokalen ("a", "e", "i", "o" und "u") treten auch die Umlaute "ö" und "ü" (sie entsprechen den Vokalen "e" und "i" mit zusätzlich gerundeten Lippen) und die Diphthonge ("ei", "ai", "eu", "äu") im Vokaltrapez auf. Grundsätzlich kann jeder Vokal entweder gerundet oder ungerundet gebildet werden, was eine Änderung der Lautqualität herbeiführt. Vokale werden in vielen Sprachen nach ihrer Länge (Vokalquantität) in kurze oder lange Vokale unterteilt. Im Deutschen unterscheidet man aber auch hinsichtlich der Vokalqualität zwischen offenen (auch. ungespannten) und geschlossenen (auch: gespannten) Vokalen. Beide Merkmale treten in der Regel gemeinsam auf und sind bedeutungsunterscheidend: den Buchstaben a, e, i, o, u, ä, ö und ü entspricht jeweils ein kurzer, offener und ein langer, geschlossener Vokal, wobei kurzes, offenes e und kurzes, offenes ä in den meisten Varietäten des Deutschen zusammenfallen und gleichlautend sind ("Lerche" und "Lärche"). Somit hat die deutsche Sprache 15 vokalische Foneme, beziehungsweise wenn man auch dem Schwa (e in , ) Phonemstatus zubilligt, 16 Vokalphoneme (nicht mitgezählt Vokale aus anderen Sprachen, bei denen man streiten kann, ob sie inzwischen schon Phonemstatus im Deutschen haben: nasaliertes ä, a, ö und o wie in , , und , langes offenes o und ö wie in und <Œuvre>).

Abgrenzung zu den Konsonanten

Klassifiziert man Laute lediglich nach ihrer Artikulationsart, dann unterscheiden sich Vokale von Konsonanten einzig und allein dadurch, dass der Phonationsstrom bei Vokalen ungehindert durch das Ansatzrohr strömt. Eine andere Möglichkeit ist die Klassifizierung nach akustischen Kriterien, d.h. nach ihrer Sonorität(Stimmhaftigkeit) bzw. ihrer Schallfülle. Danach sind Konsonanten Geräusche ohne Sonorität, während es sich bei Vokalen und einigen Konsonanten wie beispielsweise l, m, n, ng, b, d, g, w, s, j oder r um Klänge handelt. Sie sind sonorant (stimmhaft). Sonorität bzw. Schallfülle ist eine wichtige Eigenschaft hinsichtlich der Funktion eines Lautes als Silbenträger: je sonorer ein Laut ist, desto deutlicher hebt er sich von den anderen ihn umgebenden Lauten ab. Sonorante Laute können deshalb Silbenträger sein. In einigen Sprachen nehmen l, m, n, ng, aber auch r, beispielsweise l und r im Tschechischen und Kroatischen (Ort , Insel ), silbischen Charakter an und tragen den Hauptton. Auch im Deutschen kommen die Laute l, m, n, ng silbisch vor, allerdings nur in unbetonter Silbe, so in der Standardaussprache bei den Endungen -em, -en und -el/-l nach Konsonanten (silbisches m: , , n: , ng: , l: , ).

Formanten

Formant] Nach der Form der Schallwelle gehören Vokale also, im Gegensatz zu den meisten Konsonanten, zu den Klängen. Vokale haben einen Primärklang. Dieser besteht aus einem Grundton, der von Obertönen überlagert wird. Der Grundton hat die niedrigste Frequenz. Die Obertöne sind immer ganzzahlige Vielfache des Grundtons, d.h. wenn man den Grundton ändert, dann ändern sich auch immer die Obertöne. Im Ansatzrohr, d.h. in der Stimmritze, im Larynx- und Pharynxraum und im Mund- und Nasenraum, erfahren einige Töne eine Verstärkung ihrer Resonanz, so dass sie gegenüber den anderen Teiltönen dominanter werden. Diese resonanzverstärkten Teiltöne heißen Formanten. Bei Vokalen kann man 4 bis 5 Formanten nachweisen: F1 und F2 (bei Vokalen die im vorderen Zungenbereich gebildet werden) sind für die Identifizierung der Vokale verantwortlich. Sie entscheiden also darüber, ob wir beispielsweise ein [] oder ein [] hervorbringen.

Vokalbuchstabe

Es werden unter Vokalen gemeinhin auch die Buchstaben verstanden, die derartige Laute repräsentieren. Um der verbreiteten Verwechslung beziehungsweise Gleichsetzung von Lauten und Buchstaben vorzubeugen, ist es sinnvoll, den Begriff Vokalbuchstaben zu verwenden. Linguistisch korrekt sind die Begriffe Vokalgrafeme beziehungsweise Kerngrafeme (Grafeme, die für den Silbenkern, nicht den Silbenrand verwandt werden, so beispielsweise in der Grammatik der deutschen Sprache, Berlin 1997, Bd. 1, vergleiche S. 246ff). Im Deutschen sind dies A, Ä, E, I, O, Ö, U, Ü, Y, (É). (Auch das Ypsilon muss als Vokalbuchstabe gewertet werden. Es kann zwar unter bestimmten Bedingungen, wie beispielsweise auch I und U in , , , , , einen unsilbischen beziehungsweise konsonantischen Laut wiedergeben, beispielsweise in , . Die grundlegende Aussprache des Buchstabens Y entspricht jedoch im Deutschen der des Vokalbuchstabens Ü, beispielsweise , , , .) Die Vokalbuchstaben Ä, Ö, Ü können auch (von ihrer grammatischen Funktion her) als Umlautbuchstaben bezeichnet werden. Auch der häufig in Wörtern aus dem Französischen anzutreffende Buchstabe É lässt sich durchaus hinzuzählen (im Deutschen als Variante zu am Wortende gebraucht), da er auch in Wortschreibungen anzutreffen ist, die ansonsten eingedeutscht sind (vergleiche deutsch oder , frz. aber ). Die Vokalbuchstaben stehen den Konsonantenbuchstaben (Konsonantengrafemen/Randgrafemen) B, C, D, F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q, R, S, ß, T, V, W, X, Z gegenüber.

Siehe auch


- Vokaltrapez, Konsonant, Alphabet, Formant, Klangfarbe, Monophthong, Diphthong, Approximant, Halbvokal ! ja:母音 ko:홀소리 roa-rup:Vocală

Senkrecht

Das Wort senkrecht (lotrecht) bedeutet:
- rechtwinklig zur Erdoberfläche, siehe Vertikale.
- in der Geometrie, rechtwinklig zu einer Linie oder Fläche, siehe orthogonal Siehe auch: Waagrecht, Wörterbucheintrag Senkrecht

Umlaut

Der Begriff Umlaut wird für zwei unterschiedliche Dinge benutzt: für eine bestimmte Art der Vokalveränderung in germanischen Sprachen, sowie für spezielle Buchstaben im deutschen Alphabet

Vokalveränderung

Der Umlaut ist eine Veränderung derjenigen Vokale, auf die eine Beugungs- oder Ableitungssilbe folgt oder früher folgte, die den Vokal i oder den Halbvokal j enthält. Diese Vokaländerung ist typisch für die jüngeren germanischen Sprachen. Zu unterscheiden ist der Umlaut vom Ablaut.

Ursache der Vokaländerung

Der helle Vokal i übt eine assimilierende Wirkung aus, indem er den Vokal der vorausgehenden Silbe sich selbst ähnlich, also heller macht. Im Althochdeutschen tritt diese Wirkung nur beim a ein, das durch den Einfluss eines i in der darauf folgenden Silbe zum helleren Vokal wird. Im Mittelhochdeutschen dagegen beeinflusst ein folgendes i alle Vokale der vorausgehenden Silbe, die nicht i-ähnlich sind (die dunklen Vokale). So werden die kurzen Vokale a, o, u zu e, ö, ü, die langen a, o, u zu ae, oe, iu, die Diphthonge uo und ou zu üe und öu. Der Umlaut bleibt, auch wenn das i oder j ausgefallen ist. Die Umlaute ö und ü werden gegenüber dem dazugehörigen Vokal mit spitzerem Mund, bzw. weiter vorne im Mund gebildet, das heißt ö ist eine mit runden Lippen artikuliertes e und ü ein mit runden Lippen artikuliertes i. So heißt es im Mittelhochdeutschen ich valle, aber du vellest (fällst), weil die zweite Person ursprünglich ein i hatte (althochdeutsch vellis); von ruom (Ruhm) wird gebildet ruemen (rühmen), weil es im Althochdeutschen ruomjen hieß. Doch kommt es auch anderseits nicht selten vor, dass mit dem Verlust des i oder j auch seine Wirkung, der Umlaut, verschwindet, wie z. B. im Mittelhochdeutschen und Neuhochdeutschen im Infinitiv für gotisch brannjan "brennen" gesagt wird, aber im Imperfekt mittelhochdeutsch brante (heute "brannte"), obwohl die entsprechende gotische Form brannida lautet.

Umlautvokale im Neuhochdeutschen

Im Neuhochdeutschen gelten als Umlautvokale und Diphthonge in der Regel ä, ö, ü, äu; ä, äu werden im allgemeinen da geschrieben, wo ein verwandtes Wort oder eine verwandte Form mit a vorhanden oder auch ohne historische Sprachkenntnis leicht zu vermuten ist, z. B. Mann - Männer, Haus - Häuser. Der Umlaut hat auch für die deutsche Flexion immer größere Bedeutung erlangt; so dient er jetzt zur Bezeichnung der Mehrzahl, z. B. in Männer, zum Ausdruck von Verkleinerungsformen, z. B. in Häuschen. Übrigens ist er keineswegs konsequent durchgeführt, und einzelne Mundarten haben ihn fast gar nicht. Der Name Umlaut rührt von Jacob Grimm her, der auch den Ausdruck Brechung erfand. In den skandinavischen Sprachen hat auch das u die gleiche assimilierende Kraft. Auch andere Sprachen haben dem Umlaut verwandte Erscheinungen, dahin gehört insbesondere die im Griechischen und der Zendsprache häufige Epenthese des i. Vorlage: Meyers Konversationslexkion, 4. Auflage 1888/89 Weitere Beispiele:
- arm - ärmlich
- Hof - höfisch auch Höfe
- barfuß - barfüßig

Umlautbuchstaben

Mit Umlaut (Pl.: Umlaute) bezeichnet man auch die Buchstaben, die im Deutschen zur Darstellung umgelauteter Vokale benutzt werden, also Ää, Öö, Üü Umlaute werden in der Schriftkunde von den diakritischen Zeichen mit Trema unterschieden, die identisch aussehen können, aber verschiedene Bedeutungen haben (zum Beispiel die getrennte Aussprache der Vokale „A“ und „e“ in „Aëlita“). Zur in der Datenverarbeitung gelegentlich notwendigen Unterscheidung von Umlaut und Trema siehe Trema.

Darstellung von Umlauten

Trema In Frakturschriften wurden die Umlaute durch ein nachgestelltes oder über den Buchstaben gestelltes kleines "e" geformt. Die Konvention, Umlaute mit zwei Punkten über dem Buchstaben auszuzeichnen, entwickelte sich im Deutschen aus einer vertikalen Ligatur von Vokal und einem darüber angedeuteten Kurrent-e, das wie zwei verbundenen Aufstrichen (etwa wie 11) geschrieben wurde. In einigen Frakturschriften ist das übergeschriebene e auch heute noch zu finden. Die Darstellung eines Umlauts mit e ist inzwischen bis auf wenige Ausnahmen nur noch üblich, wenn der verwendete Zeichensatz keine entsprechenden Buchstaben zur Verfügung stellt. (Beispiele: ä->ae, Ä -> AE oder Ae). In deutschsprachigen Kreuzworträtseln werden Umlaute dagegen meistens als AE, OE und UE geschrieben. In der Schreibschrift gibt es neben den zwei übergestellten Punkten auch noch andere Schreibweisen (allographische Varianten). Die beiden häufigsten Varianten sind a) zwei kurze vertikale Striche anstelle der Punkte (daher ist in Österreich, wo diese Schreibweise bevorzugt wird, auch von ü-/ä-/ö-Stricherl die Rede), b) ein horizontaler Strich über dem Buchstaben, der gerade oder leicht nach unten durchgebogen ist. Letztere Schreibweise hat den Nachteil, dass sie dem u-Strich ähnelt, mit dem manche in der Schreibschrift den Kleinbuchstaben u versehen, um ihn vom Buchstaben n zu unterscheiden. Somit besteht bei dieser Schreibweise eine Verwechselungsgefahr zwischen u und ü. Im Ungarischen sind dagegen zwei Formen der Umlautkennzeichnung jeweils als graphematisches Merkmal zu werten, d.h. sie haben bedeutungsunterscheidende Funktion. Von den Punkten (Trema) zu unterscheiden ist der so genannte Doppelakut (zwei nebeneinanderstehende Akut-Akzente), der wie der einfache Akut-Akzent auf anderen Vokalbuchstaben der Kennzeichnung der langen Aussprache dient. Im Nauruischen werden die Umlaute mit einer Tilde dargestellt (ä=ã, ö=õ, ü=ũ). Die Schreibung der Tilden ist heutzutage jedoch nicht mehr üblich, sodass Wörter mit Umlauten in der Regel ohne Tilden geschrieben werden.

Darstellung in Computersystemen

Tilde Da große Teile der Computertechnologie im englischsprachigen Raum entwickelt werden, waren früher in vielen Bereichen Umlaute nicht vorgesehen, beispielsweise in der Textkodierung ASCII. Umlaute mussten daher häufig nachträglich als Ausnahmen behandelt werden und verursachten hohen Entwicklungsaufwand. Dasselbe gilt für alle anderen Schriften, die spezielle Sonderzeichen haben. Im Computerbereich wird oft das "ß" ebenfalls als Umlaut bezeichnet, da es die gleiche Art von Problemen aufwirft wie die echten Umlaute.

Kodierung

Die Umlaute werden im heute allgemein Übliche Unicode-Zeichensatz folgendermaßen definiert und kodiert: Im veralteten ASCII-Zeichensatz aus dem Jahr 1963 sind die Umlaute nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme sie nicht darstellen konnten. Allerdings enthält schon die ASCII-Erweiterung ISO 8859-1 (auch als Latin-1 bekannt) alle Umlaute, auf den gleichen Codenummern wie im Unicode. Fast alle modernen Computer benutzen den im Jahr 1991 erstmals veröffentlichten Unicode-Standard und können Umlaute daher problemlos verarbeiten und darstellen. Eine wichtige Ausnahme stellt weiterhin das Eingabeaufforderungs-Fenster von Microsoft Windows dar; dort wird aus Kompatibilitätsgründen immer noch der alte IBM-PC-Zeichensatz verwendet, sodass Umlaute und ß andere Codenummern erhalten.

HTML

Weil man im normalen HTML-Flusstext ursprünglich nicht die Zeichenkodierung festlegen konnte, musste man Umlaute mittels so genannter benannter Zeichen (named entities) verwenden, die aus einem einleitenden &, einem symbolischen Namen und einem schließenden ; bestehen. Heute ist es möglich, jedes beliebige Unicode-Zeichen darzustellen, indem man die dezimale Nummer mit &# und ; bzw. die hexadezimale Nummer mit &#x und ; umschließt. Ferner gibt es nun die Möglichkeit, den Zeichensatz per Meta-Anweisung () im HTML-Dokument festzulegen, wodurch die Darstellung der Umlaute mittels benannter Zeichen meist nicht nötig ist. Allgemein gilt, dass ein Vokal mit zwei Punkten darüber in HTML nach folgendem Schema gebildet wird: & gefolgt vom Vokal gefolgt von uml;. Siehe nachstehende Tabelle:

Andere Bereiche

In Domainnamen können Umlaute mittels des Kodierungsverfahrens IDNA genutzt werden. In URLs werden sie ebenfalls kodiert, dort erkennbar am %. Die Bezeichnung der deutschen Umlaut-Buchstaben lautet in den Unicode-Spezifikationen:
- Ä/ä heißt „A mit Diärese“
- Ö/ö heißt „O mit Diärese“
- Ü/ü heißt „U mit Diärese“ Linguistisch gesehen ist diese Benennung jedoch nicht korrekt, da eine Diärese (ein Trema) das getrennte Sprechen von Vokalen bezeichnet. Unicode kennt zwei kanonisch äquivalente Formen der Kodierung der Umlaut-Buchstaben, precomposed und decomposed. Die decomposed-Form wird mit dem Zeichen U+0308 COMBINING DIAERESIS gebildet. Bei Schreibmaschinen gibt es neben der üblichen Bauform mit separaten Umlauten auch Bauformen, bei denen die Umlaute aus separaten Zeichen für die Buchstaben und die Umlautpunkte zusammengesetzt wurden. Siehe auch: Wikipedia:Sonderzeichen, Heavy-Metal-Umlaut Kategorie:Vokal Kategorie:Historische Linguistik Kategorie:Typografie Kategorie:Schriftzeichen Kategorie:Wortexport ja:ウムラウト

Proto-Semitisches Alphabet

Das proto-semitische Alphabet (auch proto-sinaitisch) ist vermutlich der gemeinsame Ursprung aller 22-buchstabigen nordwestsemitischen Abjaden. Es wird angenommen, dass es um 1700 v. Chr. unter dem Einfluss der ägyptischen Hieroglyphen auf der Sinaihalbinsel entstand, allerdings gibt es noch eine etwas ältere Schrift, die sog. Wadi-el-Hol-Schrift. Erst das daraus hervorgegangene phönizische Alphabet ist archäologisch gut belegt, die ältesten Funden datieren um 1100 v. Chr.

Siehe auch


- Alphabet, Alphabetschrift, Geschichte der Schrift, Phönizisches Alphabet, Aramäisches Alphabet, Samaritanisches Alphabet, Hebräisches Alphabet

Weblinks


- [http://www.ancientscripts.com/protosinaitic.html Proto-Sinaitic]
- [http://www.crystalinks.com/phoenician.html The Proto-Canaanite Language]
- [http://phoenicia.org/alphabet.html The Alphabet Family Tree] Kategorie:Alphabet ko:셈 문자

Phönizier

Die Phönizier waren ein semitisches Volk der Antike und lebten hauptsächlich im Bereich des jetzigen Libanon und Syrien an der Mittelmeerküste. Das Reich bestand aus Stadtstaaten, welche politische Selbständigkeit hatten. Die wichtigsten Städte waren: Arados, Byblos, Berytos, Sidon und Tyros, welches in der Zeit zwischen 1000 bis ca. 774 v. Chr. die führende Macht unter den Städten war.

Geschichte

Der Name "Phönizier" ist von der griechischen Bezeichnung "Phoinikes" abgeleitet. Sie selbst haben sich nie "Phönizier" oder ähnlich genannt, sondern nach den Städten, aus denen sie kamen, z.B. Sidonier = Leute aus Sidon. Die Phönizier zählen zu den ersten, bekannten Seefahrern. Phönikische Gewebe, insbesondere Purpurstoffe, waren in Griechenland sehr geschätzt. Nach Herodot stammten die Phönizier von den Kanaanitern ab und hatten ihren Ursprung im Gebiet des persischen Golfs. Ihre Sprache war nordwestsemitisch. Eine phönizische Kolonie war Karthago (im heutigen Tunesien). Die Karthager wurden von den Römern Poeni (Punier) genannt. Die Phönizier waren ausgezeichnete Seefahrer. Sie kolonisierten den Mittelmeerraum von Zypern über Sizilien bis Spanien, bereisten Gadir, Cerne und unter Hanno dem Seefahrer durchfuhren sie (von Karthago aus) Gibraltar und reisten bis zum Golf von Guinea. Sie handelten mit Britannien und kauften Zinn von den Gruben der Halbinsel Cornwall. Es gibt popularwissenschaftliche Theorien, nach denen die phönizischen Seefahrer bereits ca. zwei Jahrtausende vor Christoph Kolumbus den Weg über den Atlantik bis nach Amerika fanden - und regelmässig befuhren. Im 8. Jahrhundert v. Chr. verloren die Phönizier ihre Unabhängigkeit und standen unter dem Einfluss der Assyrer. Im Jahr 701 v. Chr. eroberte das Neuassyrische Reich unter Sanherib Phönikien (außer Tyros). Ab dem Jahr 586 v. Chr. Zugehörigkeit zum Neubabylonischen Reich, außer Tyros, welches einer 13jährigen Belagerung (von 585 bis 573 v. Chr.) standhalten konnte. Um 520 v. Chr. wiederum kam das Land schließlich unter persische Herrschaft, wobei die phönizischen Städte als persische Vasallenkönigtümer eingegliedert wurden. Unter persischer Herrschaft stellten sie mit ihren Schiffen einen großen Teil der persischen Kriegsflotte. Im Auftrag des Pharaos Necho II. sollen sie, um 600 v. Chr. eine große Expedition unternommen haben, von der Sinaihalbinsel ausgehend, mit Schiffen von ca. 40 m Länge, ausgestattet mit 40 Riemen (Ruderern) und einem Segel, über Somalia, den Äquator nach Südafrika, und dann entlang der Westküste Afrikas zurück ins Mittelmeer, so dass sie binnen 3 Jahren ganz Afrika umrundeten – eine Strecke von 30.000 km in unbekannten Gewässern. Die Fahrt wurde durch längere Landaufenthalte zum Säen und Ernten von Getreide unterbrochen. Diese Reise wurde von Herodot beschrieben, ist aber sonst nicht verifiziert. Für ihre Plausibilität spricht jedoch, dass nach seinem Bericht die Seefahrer verwundert waren, dass sie, westwärts fahrend, die Mittagssonne auf der rechten Seite (also im Norden) zu sehen bekamen - was Herodot selbst nicht glauben wollte. Die Zerstörung von Tyros durch Alexander den Großen 332 v. Chr. und Karthagos durch die Römer 146 v. Chr. bedeutete das Ende der Phönizier. Die heutigen Bewohner des Libanons sind zum großen Teil phönizischer Abstammung mit syro-mesopotamischer Mischung, die sich durch die syrische Christianisierung des Libanons bemerkbar macht. Die maronitische Kirche (zur der die meisten Christen im Libanon gehören) festigte die Verbindung des syrischen Ost-Christentums mit den historischen phönizischen Ursprüngen des Landes.

Wirtschaft (Holz)

Die Phönizier waren kulturbildend. Sie schufen die Urform des europäischen Alphabets und waren die ersten bekannten Benutzer der Farbe Purpur (ein Farbton zwischen Rot und Violett). Quelle dieser königlichen Farbe war die Purpurschnecke (Murex trunculus). Purpur und die hervorragend für den Schiffbau geeignete Libanonzeder waren als natürliche Ressourcen maßgeblich am Aufstieg des Reiches beteiligt. Nach Vernichtung der Zedernbestände ging das ehemals mächtige Reich unter - ein eindrucksvolles Beispiel für die Folgen nicht nachhaltiger Nutzung. Das ursprünglich im Libanon mit 500.000 Hektar anzusetzende natürliche Areal ist heute auf 2.000 Hektar zusammengeschrumpft, davon gerade 342 Hektar Reinbestände, davon 85 Hektar nahe Tanourinne und Hadem und jeweils 40 Hektar bei Ain Zahalsa und Jebel Baroun. Es gibt nur noch einen einzigen Altbestand von 16 Hektar bei Besharri. Die Zedern lieferten große dicke Stämme von sehr schönem, dauerhaftem und leicht zu bearbeitendem Holz. Dieses verwindet sich beim Trocknen nicht. Nicht nur der Holzhunger der Flotten von 2.700 vor Christus bis in das erste Jahrtausend nach Christus verschlang Hektar um Hektar. Begehrt war das Zedernholz auch für Paläste und Tempel im weiten Umfeld. Der erste Bericht stammt aus der Zeit des Pharao Senefru um 2750 vor Christus und erwähnt dessen Belieferung mit Zedernholz aus Byblos. Aber auch nach Mesepotamien wurde das Zedernholz geliefert, z.B. um 2.400 v. Chr. Lieferung für den Fürst Gudea in Lagasch viele 20-30 Meter lange Stämme. Als Phönizien zum Ägyptischen Reich gehörte, führten Zwangsarbeiter große Kahlschläge für die riesigen Tempelanlagen von Theben, Karnak und Memphis durch. Aber auch Gebrauchsgüter wie die Särge (auch die der Pharaonen) wurden aus dem aromatischen Holz hergestellt, das sogar als Räucherwerk verbrannt wurde. Auch Griechenland importierte z.B. für den Tempel der Diana in Ephesos Zedernholz aus Phönizien ebenso wie die Könige Israels, David und Salomon für den Tempelbau und ihre Palastbauten. Allein in der Bibel findet die Libanonzeder in 40 Kapiteln in 18 Büchern über hundertmal Erwähnung. Sie galt im Altertum als schönster Baum der Erde. Im salomonischen Tempel waren Säulen, Wände, Chor, Dachkonstruktion, das Allerheiligste und die Täfelung der Altäre aus Zedernholz. Zedernholzschindeln wurden als Dachabdeckung verwendet. Kein Wunder dass 333. v.Chr. Alexander der Große im Südlibanon bereits kein Zedernholz mehr für seinen Bedarf für Schiffbau fand und diesen nur noch in entlegenen Gebieten des Anti-Libanon decken konnte. In Phönizien diente das Holz auch zur Herstellung hochwertiger Möbel und für Gebrauchsgegenstände. Auch das Harz wurde geschätzt und vielfach bis zum Einbalsamieren der ägyptischen Mumien verwendet. Reich wurden die Phönizier aber letztlich durch ihren Handel basierend auf ihren Kolonien und Stützpunkten und ihrer mächtigen Handelsflotte aus Libanonzedern andererseits.

Phönizische Religion

In der griechischen Mythologie gilt der Phönix als Stammvater der Phönizier und ist Vater von Kadmos und Europa. Die Phönizier hatten einen höchsten Gott El sowie mehrere Stadtgötter, als bevorzugte weibliche Gottheit Astarte, und den Vegetationsgott Adonis.

Literatur


- Sommer, Michael: Die Phönizier - Handelsherren zwischen Orient und Okzident, Kröner: Stuttgart, 2005, ISBN 3520454017
- Markoe, Glenn E.: Die Phönizier, Theis: Darmstadt, 2003, ISBN 3806218161
- Sudhoff, Heinke: Sorry Kolumbus - Seefahrer der Antike entdecken Amerika, Gustav Lübbe Verlag: Bergisch Gladbach, ISBN 3404641167
- Herm, Gerhard: Die Phönizier - Das Purpurreich der Antike, Econ: Düsseldorf, 1980, ISBN 3-430-14452-3
- Müller, H.-P.: Religionen am Rande der griechisch-römischen Welt: Phönizier und Punier, in: H.-P. Müller - F. Siegert: Antike Randgesellschaften und Randgruppen im östlichen Mittelmeerraum (Münsteraner Judaistische Studien 5), Münster, 2000, S. 9-28
- Moscati, Sabatino: Die Phöniker. Von 1200 v.Chr. bis zum Untergang Karthagos, Zürich, 1966

Siehe auch


- Phönizisches Alphabet

Weblinks


- http://phoenicia.org - Exzellente umfangreiche Site in englischer Sprache
- [http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/alphabet/ Bei den Erfindern des Alphabets: Alltag im alten Phönizien] (Materialien des CollegeRadio) Kategorie:Phönizier Kategorie:Ethnie Kategorie:Karthago ja:フェニキア

Phönizisches Alphabet

Das phönizische Alphabet ist die Grundlage des aramäischen Alphabets, welches seinerseits Grundlage des hebräischen, des arabischen und damit der verschiedenen indischen Alphabete ist sowie des griechischen und damit des lateinischen und des kyrillischen Alphabets. Erkenntlich ist dies auf den ersten Blick durch die beiden gleichen Anfangsbuchstaben, in manchen Alphabeten sind es auch mehr als zwei gleiche Anfangsbuchstaben:
- phönizisches Alphabet: Aleph, Beth, Gimel, Daleth, He, Waw, Zajin, ...
- aramäisches Alphabet: Aleph, Beth, Gemal, Daleth, He, Waw, Zai, ...
- griechisches Alphabet: Alpha, Beta, Gamma, Delta, ...
- lateinisches Alphabet: A, B, C, D, ...
- kyrillisches Alphabet: A, B, W, G, D, ...
- hebräisches Alphabet: Aleph, Beth, Gimel, Daleth, He, Waw, Zajin, ...
- arabisches Alphabet: Alif, , ... Das arabische Alphabet (Abdschadiya) weicht dann aber von der nahezu einheitlichen Reihenfolge ab, da die Buchstaben später nach optischer Ähnlichkeit neu gruppiert wurden. In der älteren Version, dem Abjad, ist diese Reihenfolge noch erhalten. Auch die indischen Alphabete weichen wegen einer späteren Neugruppierung nach Lautähnlichkeit von der Standardreihenfolge ab. Ableitungen des phönizischen Alphabets liegen direkt oder zumindest als Inspirationsquelle fast allen heute gebrauchten Schriften der Welt zugrunde, mit Ausnahme der ostasiatischen Schriften (chinesische Schrift und Abkömmlinge).

Aleph

chinesische Schrift Aleph ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Alpha wurde. Der Buchstabe leitet sich von der stilisierten Darstellung eines Stierkopfes ('alef = Rind) her. Lateinische Entsprechung: A.

Beth

A Beth ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung des Grundrisses eines Hauses (beth = Haus) herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Beta. Lateinische Entsprechung: B.

Gimel

B Das Gimel ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung eines Kamelrückens (gamel = Kamel) herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Gamma. Lateinische Entsprechungen: C und G.

Daleth

G Das Daleth ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung einer aufgeklappten Zelttür herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Delta. Lateinische Entsprechung: D.

He

D He ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Epsilon wurde. Der Buchstabe leitet sich vermutlich von der stilisierten Darstellung eines vor Schmerz oder Freude aufschreienden Menschen her. Lateinische Entsprechung: E.

Waw

E Waw ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung eines Haken oder eines Nagels herleitet. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben Digamma und Ypsilon. Lateinische Entsprechungen: F, U, V, W und Y.

Zajin

Y Zajin ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung einer Waage oder einer Waffe herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Zeta. Lateinische Entsprechung: Z.

Chet

Z Chet ist ein semitischer Guttural. Der Buchstabe leitet sich von der Darstellung eines Zaunes oder einer Haarsträne her. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Eta. Lateinische Entsprechung: H.

Tet

H Tet ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer Garnrolle herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Theta. Keine lateinische Entsprechung.

Jod

Theta Jod ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Iota wurde. Der Buchstabe leitet sich von der Darstellung einer Hand (yod = Hand) her. Lateinische Entsprechungen: I und J.

Kaph

J Kaph ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer geöffneten Hand herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Kappa. Lateinische Entsprechung: K.

Lamed

K Lamed ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung eines Stabes herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Lambda. Lateinische Entsprechung: L.

Mem

L Mem ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung einer Wasserlinie herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe My. Lateinische Entsprechung: M.

Nun

M Nun ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer Schlange oder eines Fisches herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Ny. Lateinische Entsprechung: N.

Samech

N Samech ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung eines Stützpfeilers herleitet. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben